Ausgabe 04/2009
August + September 2009

 

Die Buddha - Statuen von Bamiyan

 

 

Ansicht um 1878
Quelle: Wikipedia

Im 2500 Meter hoch gelegenen Tal von Bamiyan standen bis zur Zerstörung durch das Regime der Taliban im März 2001 die Statuen von Bamiyan. Die gleichnamige Provinz liegt etwa 130 Kilometer nordwestlich von Kabul und gehört zum Siedlungsgebiet der Hazara, einem mehrheitlich ehemaligen Nomadenvolk.

Die Provinz Bamiyan
Quelle: Wikipedia

Die Statuen waren die größten stehenden Buddha – Statuen der Welt. Sie wurden im 6. Jahrhundert aus rotem Sandstein gemeißelt. Archäologen datieren die kleinere der Statuen auf die Zeit um ca. das Jahr 500, die größere um ca. 550.

Die Höhe der Statuen betrug etwa 34,5 Meter und 55 Meter. Allerdings sind in der Literatur abweichende Angaben der Höhe zu finden, was wohl daran liegt, dass unterschiedliche Maßeinheiten zugrunde gelegen wurden.

Im Jahre 1963
Quelle: Wikipedia

Bis heute vermuten Wissenschaftler, dass es noch eine dritte Statue im Tal gab, eine liegende und nach der wird immer wieder gesucht, bisher ohne Erfolg. Es könnte daher sein, dass diese bereits in den vergangenen Jahrhunderten zerstört wurde.

Bei dieser soll es sich um eine Darstellung des Buddha in seinem Sterbebett  handeln, der angeblich eintausend Beine hatte.

Foto: Ursula Meissner/Erich Lischek
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Im Jahre 632 besuchte der chinesische Mönch Xuanzang (auch Hsüan-Tsang) das Tal von Bamiyan während seiner Reise nach Indien und erwähnte diese liegende Statue und gab ihre Größe mit 1000 Fuß - das sind etwa 300 Meter - an.

Seine Angaben über die Größe und die Lage der stehenden Buddha-Statuen hatten sich bei Nachforschungen als bemerkenswert genau erwiesen. Daher wird sein Bericht von den Forschern als sehr glaubwürdig eingestuft.

Foto: Ursula Meissner
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Allerdings glauben die meisten Experten, dass diese liegende Statue bereits seit langer Zeit zerstört ist. Andere meinen, sie sei im Erdboden verborgen und dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens, sie könnte durch eine Erdbeben verschüttet worden sein und zweitens könnten die Bewohner des Tales sie aus Angst vor Zerstörung durch muslimische Eroberer versteckt haben.

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Zur religiösen Bedeutung der Statuen ist bei Wikipedia zu lesen:

„ ... Die größere Statue war ein Bildnis des Buddha Dipankara, also des Buddhas des dem unseren vorangegangenen Zeitalters. Die kleinere Statue stellte den Buddha unseres Zeitalters, den Buddha Shakyamuni (Siddharta Gautama) dar.

Im 11. Jahrhundert beschrieb ein iranischer Reisender die Statuen als Sorch But (auch Surkh But, deutsch „Roter Buddha“) und Khonok But (auch Khing But, deutsch „kalter Buddha“).

Gemäß einer persischen Legende sollen die Statuen den König Solsol und seine Gemahlin Schahmama (Mutterkönigin) darstellen. Unter diesen Namen waren die Buddhas auch in Afghanistan bekannt. Die altiranisch sprechenden Kuschanen und Sassaniden sollen Solsol in der Rolle von Rostam geehrt haben. Onsuri, ein Dichter des 11. Jahrhunderts in Ghazna, schrieb eine in Versform verfasste Liebesgeschichte über Sorch But und Khonok But und das Märchen von Rostam und Sorab.“

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Die Geschichte der Statuen geht zurück auf die buddhistische Gandhara – Kultur, die sich etwa Mitte des 1. Jahrhunderts gebildet hatte. Seit Gandhara Teil des Reiches des indischen Maurya – Königs Askoha (regierte ca. 268 v. Chr. bis 232 v. Chr.) war, gewann der Buddhismus zunehmend Verbreitung.

Als die Statuen gebaut wurden, stand das Land unter der Herrschaft der Weißen Hunnen. Ihr  König Kanishka war zum Buddhismus konvertiert und unter seiner Herrschaft wurde Bamiyan zu einem Ziel von Gelehrten und Pilgern.

Im Reisebericht des Mönches Xuanzang ist zu lesen, dass die Statuen ursprünglich mit Gold überzogen und Juwelen geschmückt waren.

Foto: Ursula Meissner
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Immer an der Seidenstraße entlang gab es in Zentralasien eine Reihe unterschiedlich großer Siedlungen, die buddhistisch geprägt waren. Bamiyan beherbergte im 6. Jahrhundert mehrere tausend buddhistische Mönche.

 In der Felswand an den Statuen befinden sich die aus dem Fels gegrabenen  Höhlen, den Wohnungen der Mönche. Es wird geschätzt, dass es etwa 900 dieser Wohnhöhlen gab oder noch gibt.

Foto: Ursula Meissner/Erich Lischek
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Ab etwa dem 7. Jahrhundert breitete sich der Islam in Zentralasien aus und die Statuen verloren zusehends ihre Bedeutung. Außerdem gab es auch schon früher Zerstörungen an diesen, da der Islam die Darstellung menschlicher Figuren nicht erlaubte. So verloren sie zuerst ihren Schmuck, dann die Gesichter und Hände.

Bis zum Jahr 1979, als die Sowjetunion Afghanistan besetzte, war die gesamte Provinz Bamiyan ein internationales Touristenziel. So führte der so genannte   „Hippie Trail“ durch die gesamte Provinz.. Dieser Trail beschreibt die Reiserouten der Hippies über Land von Europa nach Ostasien.

Ab der Besetzung durch die Sowjets war das Tal immer ein strategisch wichtiger Punkt, der oft genug den Besitzer wechselte. Es befanden sich dort erst Stellungen der sowjetischen Truppen, der Mudschahedin und schließlich der Taliban.

Im September 1998 zerstörten Taliban das Gesicht des kleineren Buddha und schließlich, am 12. März 2001 sprengten Taliban – Milizen auf  Anordnung von Mullah Mohammed Omar gesamten  Statuen.die

Wikipedia schreibt dazu:

„ ...  Zuvor wurde bereits 26 Tage lang vergeblich versucht, die Buddhas durch Beschuss mit Panzern, Geschützen und Raketen zu zerstören. Die Zerstörung konnte trotz vielfältiger Interventionen der UNO und westlicher sowie islamischer Regierungen nicht verhindert werden. Neben den Statuen von Bamiyan wurden auch fast alle buddhistischen Ausstellungsstücke des Museums in Kabul zerstört, die einen unwiederbringlichen Schatz an früher buddhistischer Kunst der Region Gandhara seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. darstellten.“

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Im Dez. 2001, also nach dem Ende der Talibanherrschaft veranlasste die UNESCO eine Erhebung über den Zustand der Statuen. Dabei wurden die Reste abgedeckt, um Witterungsschäden zu vermeiden.

Aufbewahrung der geborgenen Trümmer der Statuen (2007
Quelle: Wikipedia

Im Jahre 2002 stellte sich heraus, dass über 80% der Höhlenmalereien entweder mutwillig zerstört oder von Plünderern geraubt worden waren.

Wikipedia schreibt zu dazu:

„ ... Japanische Experten begannen dann 2003 die noch vorhandenen Wandmalereien zu konservieren. Im selben Jahr unternahm eine italienische Spezialfirma bei einigen einsturzgefährdeten Bereichen - und zwar teilweise bei den Nischen der Statuen selbst, aber auch bei im Berg vorhandenen Treppenaufgängen - erste Stabilisierungsarbeiten, die dann im Jahr 2004 fortgeführt und abgeschlossen werden konnten.“

Ob die Statuen von Bamiyan jemals restauriert werden sollen, oder nicht, ist umstritten. 2002 fand eine Expertentagung im Rahmen der UNESCO statt und dort vertrat man die Meinung, dass die Sicherung anderer unmittelbar vom Einsturz bedrohter kultureller Denkmäler Afghanistans vorrangig sei.

Nach der Zerstörung 2005
Quelle: Wikipedia

Teile der einheimischen Bevölkerung sind anderer Ansicht, dazu die folgenden Zeilen:

“ ...Wiederholt hieß es daher von seitens der UNESCO und der afghanischen Regierung, die Statuen sollten nicht wieder aufgebaut werden. Viele Bewohner der Region, sowie auch die Gouverneurin von Bamiyan, die im Jahr 2006 die Kosten für einen Wiederaufbau der Statuen auf 50 Millionen US-Dollar geschätzt hatte, sprechen sich dennoch für eine Wiedererrichtung aus.

Dies würde nach deren Ansicht den Tourismus fördern und wäre eine Art Wiedergutmachung. Andererseits könnte der aufwändige Wiederaufbau buddhistischer Denkmäler in einem verarmten muslimischen Land, in dem über zehn Prozent der Bevölkerung auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen ist, auch innenpolitisch für Zündstoff sorgen. Es gibt auch Überlegungen eine der beiden Nischen als Erinnerung an das Geschehene in zerstörtem Zustand zu belassen und nur eine Statue wieder aufzubauen.“

Seit 2003 ist das Bamiyantal übrigens mit seiner uralten und vorislamischen Kulturlandschaft Weltkulturerbe.

Die Zerstörung hat viele nationale und internationale Proteste ausgelöst, was aber aus den Trümmern wird, lässt sich heute nicht sicher sagen oder schreiben.

Foto: Ursula Meissner/Erich Lischek
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Ein Gedicht der nach meiner Information persischen  Dichterin Bahar Sayed Elanzum Jahrestag der Zerstörung der Buddha-Statuen veranschaulicht diesen Protest. Es lautet:

„Ihr habt zur Trauerklage genug Anlaß gegeben
Im Gebiet von Sieben Bildnissen
Gab es zu wenig Schreie von Hungrigen?
Gab es zu wenig Klage der Besitzlosen?
Habt Ihr zu wenig Menschen die Hand abgehakt?
Und die Heranwachsenden zu Lahmen gemacht
War zu wenig Blut vergossen und gab es zu wenig Märtyrer?
Gab es zu wenig Geliebte, die Ihr tötet?
Nun habt ihr die Geschichte angegriffen, die Kultur zerstört.
Auf das beispiellose Erbe habt Ihr hassvoll Feuer eröffnet.
Gegen wen kämpft Ihr, gegen Ahnen oder gegen ihre Kinder ?
Wer sucht nach den Tränen der Menschheit und sammelt sie, damit dieser schmutzige Fleck, diese Schandtat gewaschen wird?“

Rund 1500 Jahre alt geworden sind die Buddha -Statuen im Bamiyantal. Ein paar Fanatiker haben sie vernichtet aus Gründen, die werde Moslems noch Angehörige anderer Religion nachvollziehen können.

On es richtig wäre, sie wieder herzustellen, oder on man sie nicht in ihrem derzeitigen Zustand als Mahnmal stehen lässt, kann und will ich nicht beurteilen. Dazu fehlt mir das Wissen. Emotional kann ich diejenigen verstehen, die für die Restauration sind, mein Verstand sagt mir, die Menschen in Afghanistan benötigen so viele Dinge, um wieder ein „normales“ Leben führen zu können, nach so vielen Jahren Krieg und Zerstörung im Lande.

Wahrscheinlich müssen das die Menschen im Lande entscheiden, denn sie wissen am besten, was diese Statuen bedeuten.

Im Sinne der uralten Kultur

Hartmut Deckert