Ausgabe 03/2008
Mai + Juni 2008

Wölfe in Russland ... 

Einleitung

In der letzten Ausgabe veröffentlichten wir einen Artikel über Wölfe in Deutschland. Und an diesem Thema wollen wir dran bleiben, denn unterdessen gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen über Meister Isegrim und seine „neue Welt“.  

In der nächsten Ausgabe soll daher ein Artikel erscheinen, der sich mit Canis Lupus ein bisschen aus der Sicht der Hirtenhunde beschäftigt. 

Beim Stöbern im Internet sind wir auf Gisela Müller gestoßen. Für uns keine ganz Unbekannte, denn „mit Wölfen hat sie es“.  

Die Autorin mit Welpen 

Zur Erinnerung: 2004 in der zweiten Ausgabe stellten wir Kirgistan als eines der Ursprungsländer des Centralasiaten vor. Und darin berichteten wir unter anderem auch über den Zoo in Karakol und über die Wölfe, die dort unter nicht gerade tollen Bedingungen lebten. Das hat sich schon lange verändert und mitverantwortlich für die heutigen, artgerechten Lebensbedingungen ist eben Gisela Müller, die mit einer Spendenaktion das Geld für das heutige Gehege der Tiere sammelte. 


Das Gehege in Karakol 

Unterdessen, genauer seit 2004 unterstützt sie ein Projekt in Russland und warum, das schildert Gisela Müller im folgenden Artikel. 

Man glaubt es kaum, in diesem endlosen Land sind Wölfe gefährdet, obwohl dieses Land, die Wölfe und die Bären für uns Mitteleuropäer einfach zusammengehören. Warum das so ist? Darüber schreibt Gisela Müller:

Wölfe in Russland 

Zwischen Moskau und St. Petersburg, in dem Dorf Bubonice, Region Tver lebt der russische  Biologe und Wolfsforscher Vladimir Bologov.  

Vladimir Bologov mit zwei seiner Schützlinge 

Er ist einer der Wenigen, die sich in seinem Land für den Schutz und den Erhalt der Wölfe in seiner Region einsetzt. Er führt diese Arbeit fort, die sein Vater Viktor 1984 begonnen hat.  

In Russland werden immer noch Prämien für jeden toten Wolf, ob Welpe oder Alttier gezahlt, eine lohnende Einnahmequelle für die Jäger. Die Wölfe werden in Fallen gefangen und erschlagen, vergiftet und Welpen aus ihren Wurfhöhlen ausgegraben. Entgegen der Meinung, dass in Russland noch zahlreiche Wölfe leben, geht der Bestand  stetig zurück. Vladimir Bologovs Ziel ist, die Regierung von der Abschaffung der Prämienzahlung zu überzeugen, das Vergiften zu verbieten und die  Jagd nur auf einige Monate zu beschränken.  

V. Bologov kauft seit Jahren den Jägern Wolfswelpen ab, die zunächst in zwei Gehegen von 3,5 Ha oder auf einer gepachteten Insel aufgezogen und später wieder in die Freiheit entlassen werden.   


Das erste Fleisch für die Welpen im Gehege 

Als ich 2003 im Fernsehen einen Bericht über seinen Einsatz für die Wölfe sah, beschloss ich, sein Projekt zu unterstützen. Seit 2004 besuche ich für 3-4 Wochen  jedes Jahr seine Station Les Chisty Les (sauberer Wald). 

Die Region ist dünn besiedelt, etliche Dörfer sind auch schon verlassen, die Landschaft hügelig, es gibt zahlreiche Seen, riesige unberührte Wälder, Moor und weite Wiesen die niemand mäht. 


so genannte „Wege“ zum Gehege 

Mitten im Wald,  etwa eine Stunde Fußmarsch von Bubonice entfernt liegen die Aufzuchtsgehege. Es gibt darin einen Bachlauf, riesige, alte, umgestürzte Bäume, hohe Fichten, also der ideale Spielplatz für Welpen. Die Kleinen werden zunächst mit Aufzuchtsmilch und ab der vierten Woche auch mit Fleisch und Fisch versorgt. Außerdem üben sie schon die Jagd auf Mäuse und andere Kleintiere. Studenten aus Russland und anderen europäischen Ländern unterstützen Vladimir Bologov anfangs bei der Betreuung der Welpen. 

Nach ein paar Monaten werden die Jungwölfe in ein geeignetes Territorium zur Freilassung gebracht.  


Die Station 

Im letzten Jahr fand sich ein geeignetes Gelände an einem Fluss, wo V. Bologov keinerlei  Wolfsvorkommen festgestellt hatte. Zunächst wurden die 7 Wölfchen in einem Gehege untergebracht um sich an die Umgebung zu gewöhnen. Nach einigen Tagen blieb die Gehegetür offen und die Tiere waren frei. Inzwischen streifen sie viel umher und haben schon Wildschweine, Hasen und Marderhunde erbeutet.  

Betreut werden sie nur noch von einer Studentin, die sie bei wenig Jagdglück mit Fleisch versorgt und ihre Aktivitäten aufzeichnet. Die Wölfe sind inzwischen scheu und meiden die Dörfer, weil sie außer zu ihrer Betreuerin keinerlei Kontakt zu Menschen haben. Mit zunehmendem Alter werden diese Wölfe von menschlicher Obhut unabhängig sein und ihr freies Leben führen.  


„Kindergärtnerin“ 

V. Bologov hat engen Kontakt in weitem Umkreis zu den Bewohnern der verstreuten Ortschaften. Keiner seiner freigelassenen Wölfe hat bisher Schaden in den Dörfern angerichtet. 

Hirtenhunde sind in der Gegend unbekannt. Die weidenden Haustiere werden oft von alten Mütterchen oder Hirten bewacht, die leider oft mit der Wodkaflasche schlafend unter einem Busch liegen. In Baschkiria konnte ich beobachten, dass den Stuten sogar auf vom Dorf weit entfernten Wiesen  die Vorderbeine zusammengebunden waren, um sie am Fortlaufen zu hindern. Somit hatten sie keine Chance, ihre Fohlen gegen Wolfsangriffe zu verteidigen. 

Allein die Futterkosten für jeden Wolf belaufen sich bis dahin auf ca. 1500,- Euro

Vladimir Bologov hat in den letzten Jahren bereits 17 Wölfe erfolgreich ausgewildert und kein einziger ist den Jägern zum Opfer gefallen, da er einige von ihnen für sich und sein Projekt gewinnen konnte, allerdings gegen Bezahlung.  

Aus seiner Erfahrung erlangen die Jungwölfe sehr schnell ihre angeborene Scheu vor Menschen wieder und schließen sich einem Rudel an oder gründen ein Neues in angrenzenden Gebieten.  

 
Außerdem leistet er wichtige Aufklärungsarbeit, zeigt den Viehhirten wie sie ihre Nutztiere mit einer von ihm entwickelten einfachen, aber effektvollen Methode vor Wölfen schützen können und bemüht sich, die Regierung zu überzeugen, das Prämiensystem abzuschaffen.

 Im Herbst 2003 hatte Vladimir Bologov wieder zwei Jungwölfe erfolgreich ausgewildert (dokumentiert vom Bayrischen Fernsehen: "Der den Wolf versteht") und wird sich auch weiterhin um eingefangene Welpen kümmern. Er benötigt dringend finanzielle Hilfe und ich bitte alle Tier - und Wolfsfreunde, sich von ein paar Euros zu trennen. Auch kleine Beträge helfen!  

Weitere Informationen: 

http://www.geocities.com/vbologov/ 
 

und unter 

www.russianwolves.org/  

Noch eine Möglichkeit seine Arbeit zu unterstützen ist eine Ökovolontär-Reise zu seiner Station.  


Das Infocenter 

Ich habe ein Spendenkonto eingerichtet unter:  

Gisela Müller  
Sparkasse Harburg-Buxtehude 
BLZ:20750000  
KNR: 391359  
Stichwort: Wölfe Bologov
 

Für Fragen stehe ich oder auch Vladimir Bologov (in englisch) jederzeit zur Verfügung. 

Gisela Müller

 
21376 Salzhausen Bahnhofstr.6a 
Tel. 04172 7348. 
email@gisela-mueller.de 
 
Vladimir Bologov 
vbologov@mail.ru 

Gisela Müller

Spendensammlungen sind das eine, aber man sollte wissen, über was man redet und das muss man dann gesehen haben. Gisela Müller hat. So schreibt sie:
“ ... Ende April 2005 konnte ich 100 Dosen Welpenaufzuchtsmilch an Vladimir Bologov schicken. So ist eine optimale Aufzucht der nächsten Wolfswelpen gewährleistet und sie werden einen guten Start in ein freies Leben haben.
 
Bis V. Bologov von ausgegrabenen Welpen hört und sie freikaufen kann, haben sie schon etliche Tage unter Mangelernährung gelitten. Sie sind bei den Jägern tagelang in irgendwelchen Schuppen eingesperrt und bekommen verdünnte Kuhmilch wenn sie Glück haben .Den Jägern ist es ziemlich gleichgültig ob die Welpen am Leben bleiben, die Prämie gibt es ja von der Regierung. Lohnender ist allerdings, wenn sie recht und schlecht überleben, um sie dann
zahlungskräftigen Jägern vor die Flinte zu treiben, die für das „Abenteuer“ einen Wolf zu schießen eine Menge Geld zahlen.
 
Deshalb habe ich mich an die Firma PetAg in USA gewand, die uns die Milch zu einem sehr günstigen Preis für die russischen Wölfchen überlassen hat. Dieses Projekt konnte dank Spenden der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe und Artenschutz Wildpark Lüneburger Heide finanziert werden. Freunde bei der Lufthansa haben den kostenlosen Transport nach Moskau übernommen.“
Aufzuchtmilch
Wie schon geschrieben, auch deutsche Journalisten interessieren sich unterdessen für dieses Projekt, ein Fernsehteam des Bayrische Rundfunks hat einen Film mit dem Titel" Der den Wolf versteht" über V. Bologovs Wölfe gedreht, der schon mehrmals gesendet wurde.
Jedes Jahr ist Gisela Müller seit 2004 nach Russland geflogen und auf Ihrer HP veröffentlicht sie ihre Reiseberichte.

 

Wer übrigens der Meinung ist, er solle das auch mal anschauen, es gibt unterdessen Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen, auch die sind zu finden in den Reiseberichten. Dazu schreibt sie:

„ ... V. Bologov hat in der Nähe seiner Auswilderungsgehege drei Holzhäuser in einem fast verlassenen Dorf (nur noch ein Einwohner) gekauft. Diese urigen und gemütlichen, aber einfachen Häuser, drum herum nur Wildnis pur, dienen als Unterkünfte für Touristen.  

Man kann natürlich auch in Zelten übernachten und so der Spur der einzelnen Rudel folgen. Ihren Standort, den sie meist ein bis zwei Tage beibehalten ermittelt V. Bologov durch ihre Antwort auf sein Heulen. 

Ich kann nur jedem Natur- und Wolfsfreund diese Reise empfehlen, sie wird unvergesslich bleiben.“ 

V. Bologov konnte inzwischen 33 Wölfe wieder in die Freiheit entlassen. Ein Informationscenter für die russische Bevölkerung und Touristen ist im Rohbau fertig. 

Langsam aber sicher gibt es die ersten Erfolge. Gisela Müller schildert die so: 

“ ... Zwei Siege im Kampf zur Erhaltung der Wölfe in Russland hat Vladimir Bologov inzwischen errungen. Nach mehreren Eingaben bei der Regierung ist nun endlich das Töten der Wölfe mit Gift verboten und die Wolfsjagd nur noch im Winter erlaubt. Das hindert allerdings die Jäger nicht, weiterhin Welpen auszugraben, denn wie man dort sagt: Russland ist groß und der "Zar" ist weit weg.“ 

 

In Freiheit und nicht mehr bedroht 
 

Mehr Informationen, Reiseberichte und Fotos finden Sie unter: 

http://www.gisela-mueller.de/hilfe.htm 

Hartmut Deckert 

Nachsatz: Wir werden den Wölfen auf der Spur bleiben und so gibt es auch in der nächsten Ausgabe wieder einen Artikel über sie. 

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