Wölfe
in Russland ...
Einleitung
In
der letzten Ausgabe veröffentlichten wir einen Artikel über Wölfe
in Deutschland. Und an diesem Thema wollen wir dran bleiben, denn unterdessen
gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen über Meister Isegrim und
seine „neue Welt“.
In
der nächsten Ausgabe soll daher ein Artikel erscheinen, der sich mit
Canis Lupus ein bisschen aus der Sicht der Hirtenhunde beschäftigt.
Beim
Stöbern im Internet sind wir auf Gisela Müller gestoßen. Für uns
keine ganz Unbekannte, denn „mit Wölfen hat sie es“.

Die
Autorin mit Welpen
Zur
Erinnerung: 2004 in der zweiten Ausgabe stellten wir Kirgistan als eines
der Ursprungsländer des Centralasiaten vor. Und darin berichteten wir
unter anderem auch über den Zoo in Karakol und über die Wölfe, die
dort unter nicht gerade tollen Bedingungen lebten. Das hat sich schon
lange verändert und mitverantwortlich für die heutigen, artgerechten
Lebensbedingungen ist eben Gisela Müller, die mit einer Spendenaktion
das Geld für das heutige Gehege der Tiere sammelte.

Das
Gehege in Karakol
Unterdessen,
genauer seit 2004 unterstützt sie ein Projekt in Russland und warum,
das schildert Gisela Müller im folgenden Artikel.
Man
glaubt es kaum, in diesem endlosen Land sind Wölfe gefährdet, obwohl
dieses Land, die Wölfe und die Bären für uns Mitteleuropäer einfach
zusammengehören. Warum das so ist? Darüber schreibt Gisela Müller:
Wölfe
in Russland
Zwischen
Moskau und St. Petersburg, in dem Dorf Bubonice, Region Tver lebt der
russische Biologe und Wolfsforscher Vladimir Bologov.

Vladimir
Bologov mit zwei seiner Schützlinge
Er
ist einer der Wenigen, die sich in seinem Land für den Schutz und den
Erhalt der Wölfe in seiner Region einsetzt. Er führt diese Arbeit
fort, die sein Vater Viktor 1984 begonnen hat.
In
Russland werden immer noch Prämien für jeden toten Wolf, ob Welpe
oder Alttier gezahlt, eine lohnende Einnahmequelle für die Jäger.
Die Wölfe werden in Fallen gefangen und erschlagen, vergiftet und Welpen
aus ihren Wurfhöhlen ausgegraben. Entgegen der Meinung, dass in Russland
noch zahlreiche Wölfe leben, geht der Bestand stetig zurück.
Vladimir Bologovs Ziel ist, die Regierung von der Abschaffung der Prämienzahlung
zu überzeugen, das Vergiften zu verbieten und die Jagd nur auf
einige Monate zu beschränken.
V.
Bologov kauft seit Jahren den Jägern Wolfswelpen ab, die zunächst
in zwei Gehegen von 3,5 Ha oder auf einer gepachteten Insel aufgezogen
und später wieder in die Freiheit entlassen werden.

Das
erste Fleisch für die Welpen im Gehege
Als
ich 2003 im Fernsehen einen Bericht über seinen Einsatz für die Wölfe
sah, beschloss ich, sein Projekt zu unterstützen. Seit 2004 besuche
ich für 3-4 Wochen jedes Jahr seine Station Les Chisty Les (sauberer
Wald).
Die
Region ist dünn besiedelt, etliche Dörfer sind auch schon verlassen,
die Landschaft hügelig, es gibt zahlreiche Seen, riesige unberührte
Wälder, Moor und weite Wiesen die niemand mäht.

so
genannte „Wege“ zum Gehege
Mitten
im Wald, etwa eine Stunde Fußmarsch von Bubonice entfernt liegen
die Aufzuchtsgehege. Es gibt darin einen Bachlauf, riesige, alte, umgestürzte
Bäume, hohe Fichten, also der ideale Spielplatz für Welpen. Die Kleinen
werden zunächst mit Aufzuchtsmilch und ab der vierten Woche auch mit
Fleisch und Fisch versorgt. Außerdem üben sie schon die Jagd auf Mäuse
und andere Kleintiere. Studenten aus Russland und anderen europäischen
Ländern unterstützen Vladimir Bologov anfangs bei der Betreuung der
Welpen.
Nach
ein paar Monaten werden die Jungwölfe in ein geeignetes Territorium
zur Freilassung gebracht.

Die
Station
Im
letzten Jahr fand sich ein geeignetes Gelände an einem Fluss, wo V.
Bologov keinerlei Wolfsvorkommen festgestellt hatte. Zunächst
wurden die 7 Wölfchen in einem Gehege untergebracht um sich an die
Umgebung zu gewöhnen. Nach einigen Tagen blieb die Gehegetür offen
und die Tiere waren frei. Inzwischen streifen sie viel umher und haben
schon Wildschweine, Hasen und Marderhunde erbeutet.
Betreut
werden sie nur noch von einer Studentin, die sie bei wenig Jagdglück
mit Fleisch versorgt und ihre Aktivitäten aufzeichnet. Die Wölfe sind
inzwischen scheu und meiden die Dörfer, weil sie außer zu ihrer Betreuerin
keinerlei Kontakt zu Menschen haben. Mit zunehmendem Alter werden diese
Wölfe von menschlicher Obhut unabhängig sein und ihr freies Leben
führen.

„Kindergärtnerin“
V.
Bologov hat engen Kontakt in weitem Umkreis zu den Bewohnern der verstreuten
Ortschaften. Keiner seiner freigelassenen Wölfe hat bisher Schaden
in den Dörfern angerichtet.
Hirtenhunde
sind in der Gegend unbekannt. Die weidenden Haustiere werden oft von
alten Mütterchen oder Hirten bewacht, die leider oft mit der Wodkaflasche
schlafend unter einem Busch liegen. In Baschkiria konnte ich beobachten,
dass den Stuten sogar auf vom Dorf weit entfernten Wiesen die
Vorderbeine zusammengebunden waren, um sie am Fortlaufen zu hindern.
Somit hatten sie keine Chance, ihre Fohlen gegen Wolfsangriffe zu verteidigen.
Allein
die Futterkosten für jeden Wolf belaufen sich bis dahin auf ca. 1500,-
Euro
Vladimir
Bologov hat in den letzten Jahren bereits 17 Wölfe erfolgreich ausgewildert
und kein einziger ist den Jägern zum Opfer gefallen, da er einige von
ihnen für sich und sein Projekt gewinnen konnte, allerdings gegen Bezahlung.
Aus
seiner Erfahrung erlangen die Jungwölfe sehr schnell ihre angeborene
Scheu vor Menschen wieder und schließen sich einem Rudel an oder gründen
ein Neues in angrenzenden Gebieten.
Außerdem leistet
er wichtige Aufklärungsarbeit, zeigt den Viehhirten wie sie ihre Nutztiere
mit einer von ihm entwickelten einfachen, aber effektvollen Methode
vor Wölfen schützen können und bemüht sich, die Regierung zu überzeugen,
das Prämiensystem abzuschaffen.
Im Herbst 2003 hatte Vladimir Bologov wieder zwei Jungwölfe erfolgreich
ausgewildert (dokumentiert vom Bayrischen Fernsehen: "Der den Wolf
versteht") und wird sich auch weiterhin um eingefangene Welpen
kümmern. Er benötigt dringend finanzielle Hilfe und ich bitte alle
Tier - und Wolfsfreunde, sich von ein paar Euros zu trennen. Auch kleine
Beträge helfen!
Weitere
Informationen:
http://www.geocities.com/vbologov/
und
unter
www.russianwolves.org/
Noch
eine Möglichkeit seine Arbeit zu unterstützen ist eine Ökovolontär-Reise
zu seiner Station.

Das
Infocenter
Ich habe
ein Spendenkonto eingerichtet unter:
Gisela Müller
Sparkasse Harburg-Buxtehude
BLZ:20750000
KNR: 391359
Stichwort: Wölfe Bologov
Für
Fragen stehe ich oder auch Vladimir Bologov (in englisch) jederzeit
zur Verfügung.
Gisela Müller
21376 Salzhausen Bahnhofstr.6a
Tel. 04172 7348.
email@gisela-mueller.de
Vladimir Bologov
vbologov@mail.ru
Gisela Müller
Spendensammlungen
sind das eine, aber man sollte wissen, über was man redet und das muss
man dann gesehen haben. Gisela Müller hat. So schreibt sie:
“
... Ende April 2005 konnte ich 100 Dosen Welpenaufzuchtsmilch an Vladimir
Bologov schicken. So ist eine optimale Aufzucht der nächsten Wolfswelpen
gewährleistet und sie werden einen guten Start in ein freies Leben
haben.
Bis V. Bologov von ausgegrabenen Welpen hört und sie freikaufen kann,
haben sie schon etliche Tage unter Mangelernährung gelitten. Sie sind
bei den Jägern tagelang in irgendwelchen Schuppen eingesperrt und bekommen
verdünnte Kuhmilch wenn sie Glück haben .Den Jägern ist es ziemlich
gleichgültig ob die Welpen am Leben bleiben, die Prämie gibt es ja
von der Regierung. Lohnender ist allerdings, wenn sie recht und schlecht
überleben, um sie dann zahlungskräftigen Jägern vor
die Flinte zu treiben, die für das „Abenteuer“ einen Wolf zu schießen
eine Menge Geld zahlen.
Deshalb habe ich
mich an die Firma PetAg in USA gewand, die uns die Milch zu einem sehr
günstigen Preis für die russischen Wölfchen überlassen hat. Dieses Projekt konnte dank Spenden der Gesellschaft
zum Schutz der Wölfe und Artenschutz Wildpark Lüneburger Heide finanziert
werden. Freunde bei der Lufthansa haben den kostenlosen Transport nach
Moskau übernommen.“

Aufzuchtmilch
Wie
schon geschrieben, auch deutsche Journalisten interessieren sich unterdessen
für dieses Projekt, ein Fernsehteam des Bayrische Rundfunks hat einen
Film mit dem Titel" Der den Wolf versteht" über V. Bologovs
Wölfe gedreht, der schon mehrmals gesendet wurde.
Jedes
Jahr ist Gisela Müller seit 2004 nach Russland geflogen und auf Ihrer
HP veröffentlicht sie ihre Reiseberichte.

Wer
übrigens der Meinung ist, er solle das auch mal anschauen, es gibt
unterdessen Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen, auch die sind
zu finden in den Reiseberichten. Dazu schreibt sie:
„
... V. Bologov hat in der Nähe seiner Auswilderungsgehege drei
Holzhäuser in einem fast verlassenen Dorf (nur noch ein Einwohner)
gekauft. Diese urigen und gemütlichen, aber einfachen Häuser, drum
herum nur Wildnis pur, dienen als Unterkünfte für Touristen.
Man
kann natürlich auch in Zelten übernachten und so der Spur der einzelnen
Rudel folgen. Ihren Standort, den sie meist ein bis zwei Tage beibehalten
ermittelt V. Bologov durch ihre Antwort auf sein Heulen.
Ich
kann nur jedem Natur- und Wolfsfreund diese Reise empfehlen, sie wird
unvergesslich bleiben.“
V.
Bologov konnte inzwischen 33 Wölfe wieder in die Freiheit entlassen.
Ein Informationscenter für die russische Bevölkerung und Touristen
ist im Rohbau fertig.
Langsam
aber sicher gibt es die ersten Erfolge. Gisela Müller schildert die
so:
“
... Zwei Siege im Kampf zur Erhaltung der Wölfe in Russland hat Vladimir
Bologov inzwischen errungen. Nach mehreren Eingaben bei der Regierung
ist nun endlich das Töten der Wölfe mit Gift verboten und die Wolfsjagd
nur noch im Winter erlaubt. Das hindert allerdings die Jäger nicht,
weiterhin Welpen auszugraben, denn wie man dort sagt: Russland ist groß
und der "Zar" ist weit weg.“

In
Freiheit und nicht mehr bedroht
Mehr Informationen,
Reiseberichte und Fotos finden Sie unter:
http://www.gisela-mueller.de/hilfe.htm
Hartmut Deckert
Nachsatz:
Wir werden den Wölfen auf der Spur bleiben und so gibt es auch in der
nächsten Ausgabe wieder einen Artikel über sie.
