Ausgabe 02/2008
März + April 2008


Medien … und Tiere!

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... Und allen wird eine schöne Geschichte erzählt, oder sie erzählen selber eine!

Foto: Heike + Thomas Steeb

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Sie kommen am Samstagnachmittag, am „heiligen Sonntag“ und bei den Privatsendern fast täglich. Die schönen Sendungen von, mit und über Tiere. Da trieft je nach Zielgruppe der Schmalz, es wird auf die Tränendrüse gedrückt und die „armen Tiere“ haben Fürsprecher in allen Redaktionen. Tiere machen eben Quote und das nicht zu wenig!

 

Was aber steckt hinter diesen „tollen“ Informationen und rührenden Schicksalen?

 

Oft sind sie nicht das Geld für die Rundfunkgebühren wert, oder die „körperlichen  Schmerzen“, die der Zuschauer erleben muss, wenn er in den Werbepausen mal wieder traktiert wird. Obwohl schwer auszumachen ist, wer das höhere Niveau hat, Hund, Katz Maus, das bayerische Fernsehen oder Richterin Barbara Salesch, sie nehmen sich nicht all zuviel.

 

Alles halb so wild, wenn da nicht am Schluss die Hinweise auf Spendenkonten wären, die dann auch noch helfen, die nach „sorgfältiger Recherche“ ausgewählten „Projekte zu unterstützen, obwohl es oft besser wäre, diese zu schließen, oder wenigstens einer besseren Kontrolle zu unterziehen.

 

Von diesen Sendungen mit ihren kompetenten Moderatoren, aber auch von so manch schreibenden Kollegen, soll dieser Artikel ein wenig erzählen, denn wer auf den Knopf an der „Glotze“ drückt, oder eines der vielen Blätter aufschlägt, merkt sehr schnell, diese „Journalisten“ sind alle preisverdächtig, egal ob der Pulitzer - oder ein Medienpreis überreicht wird.

 

Da wäre zum Beispiel der bayerische Rundfunk und der strahlt die Sendereihe „Zeit für Tiere aus“ und die sei seriös, behaupten wenigstens die Verantwortlichen.

 

Stimmt das?

 

Gelegentlich vielleicht schon, aber in einem Beispiel eben nicht. Die Sendung vom 24. Juni 2007 wurde auf dem Argen - Hof in Amtzell aufgenommen. Den aber und seine Betreiberin Christiane Rohn kenne ich nun wirklich gut und die „Seriosität“, die dort gang und gäbe ist, auch!.

Die Hundeflüsterin bei der „Arbeit“

Foto: Christiane Rohn

 

Am 31. Juli 2007 bekam ich ein Schreiben des Programmdirektors dieses Senders,  Dr. Gerhard Fuchs. Er schreibt, nachdem ich zuvor „mein Glück“ beim Intendanten probiert hatte um auf die Missstände dieses Mustertierschutzprojektes“ aufmerksam zu machen:

 

„ …Dank für Ihr Schreiben vom 5. Juli 2007 zur Sendung vom 24. Juni 2007, die auf dem Allgäuer Argenhof aufgezeichnet wurde.

 

Unser Intendant, Herr Professor Dr. Thomas Gruber, hat mich gebeten, Ihnen zuständigkeitshalber zu antworten.

 

Selbstverständlich befürwortet eine Tierredaktion - genauso wie die Zuschauer, der Sendereihe "Zeit für Tiere" -grundsätzlich das Engagement von Tierschützern für Gnadenhöfe, deshalb berichtet sie auch regelmäßig von derartigen Einrichtungen. Um möglichst keine zu bevorzugen, werden immer wieder andere ausgewählt, in der Sendung vom 24. Juni 2007 war es der Allgäuer Argenhof.“

 

Schön für den Hof und natürlich wurde auch dieses Projekt „sorgfältig“ ausgesucht, denn man will ja das Engagement von Tierschützern unterstützen.

 

Warum dann aber Christiane Rohn?

 

Schauen wir uns mal diese „sorgfältige Prüfung“ eines öffentlich rechtlichen Senders an. Denn mit der verantwortlichen Redakteurin habe ich gesprochen. Unter anderem sprachen wir darüber, dass mindestens ich sehr verwundert darüber war, dass ein Sender immer noch über eine „Tierschützerin“ berichtet, die rechtskräftig verurteilt wegen ihrer beanstandeten Tierhaltung, immerhin eine Geldbuße von 8000.- Euro bezahlen musste.

 

Jana M. erzählte mir, sie und ihre Kolleginnen seien sehr wohl darüber informiert gewesen, dass es „heftige“ Vorwürfe gegen die Hundeflüsterin vom „Argen Knie“ gegeben habe. Man habe auch davon gelesen. Aber man wollte eben „Gutes“ tun und daher sei dieser Bericht dann doch entstanden. Im übrigen sei es sicher schwer gewesen, all die Vorwürfe zu überprüfen.

 

Wer suchet der findet, „Schweinereien“ gibt es dort genug

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Wirklich so schwer?

 

Eher einfach, denn wer in einer Suchmaschine den Namen der „begnadeten Tierlehrerin“ (Stuttgarter Zeitung) Christiane Rohn eingibt, bekommt eine Menge Informationsquellen und eine Menge zu lesen. Bei keinem dieser vielen Seitenbetreibern hat sich der bayerische Rundfunk informiert, wurde mir bestätigt.

 

Statt dessen hat man sich den Hof angesehen. Dr. Fuchs schreibt mir dazu:

 

„ … Im Vorfeld der Sendungs - Aufzeichnung hat die verantwortliche Redakteurin der Sendung den Hof von Frau Christiane Rohn besichtigt. Dabei bot sich ihr nach eigenen Worten ein äußerst gepflegter Eindruck. Auch einer weiteren, im Tierschutz erfahrenen Mitarbeiterin, von der sie begleitet wurde, sind keinerlei Missstände bei der Haltung der Tiere aufgefallen. Vor und während der Aufzeichnung konnte sich auch unsere Moderatorin, Dr. Astrid Schubert auf dem Hof umsehen. Frau Dr. Schubert ist Tierärztin und Verhaltenstherapeutin - weder bei der Haltung noch im Verhalten der Tiere gab es für sie irgendwelche Hinweise auf unlautere Methoden.“

 

Z. B. „Onkel Klaus“ vor einer völlig kahl gefressenen Koppel

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Diese „faule“ Begründung ist bekannt, denn sie wird in allen „journalistischen Kreisen“ benützt und die sind alle „im Tierschutz erfahren“..

 

Richtig ist, der Hof machte immer einen sauberen oder gepflegten Eindruck, wenn Besucher kamen und das vor allem dann, wenn diese von Tierschutzgesetzen und Ausführungsbestimmungen dieser Gesetze keine Ahnung haben und wenn sie nur das zu Gesicht bekamen, was die „Tierschützerin“ Christiane Rohn ihnen zeigen wollte und wenn sie vor lauter Begeisterung vergaßen, mal in die Ecken zu schauen.

 

Aber wir haben es mit einem öffentlich rechtlichen Sender zu tun und der hat anscheinend von seiner besonderen Verantwortung zwar schon mal etwas gehört, aber im Gleichklang mit diversen Blättern und „Privaten“, die unbeschwert jeden Mist und Dreck veröffentlichen, macht er es sich genauso einfach. Hauptsache es passt in das Konzept für rührselige Geschichten.

 

Denn wie schreibt der Programmdirektor, Frau Dr. Schubert ist Tierärztin und Verhaltenstherapeutin. Er hätte aber auch schreiben sollen, wo sie studiert und an wie vielen Vorlesungen sie teil genommen hat. Zu vermuten ist, sie versäumte eine ganze Menge, denn sonst hätte ihr schon einiges auffallen müssen.

 

 Sehr „artgerechte Zwinger“

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Zum Beispiel die hinter und vor dem Verwaltungsgebäude stehenden Hunde - Zwinger. Ihre Maße: 2x3 Meter. Erinnerte sich dann „Frau Doktor“ noch an die Vorlesung von den Bestimmungen über die Haltung von Hunden in Zwingern, wäre ihr sicher aufgefallen, dass kein einziges gut geführtes Tierheim solche Zwinger hat, zumal darin Hunde aller Größen standen. Hier aber handelt es sich um einen Gnadenhof, von dem man wohl etwas mehr erwarten darf, als die unbedingt notwendigste Einhaltung von Mindestbestimmungen. Derartige Haltungsbedingungen aber stellen schon eine besondere „Gnade“ für die „armen Schweine“ dar, die darin einsitzen müssen, bei eben Unterschreitungen der geltenden Gesetze.

 

Frau Dr. Schubert ist Tierärztin und Verhaltenstherapeutin. Eine Verhaltenstherapeutin aber hätte bemerken können, wie sich die in diesen „Zwingern „ eingesperrten Hunde teilweise benommen haben, durchgedreht nämlich. Zeugen hierfür gibt es genug, die haben das ohne Studium und nur mit ihrem „gesunden Menschenverstand“ gesehen.

 

Wehe, es läuft an diesen Zwinger jemand vorbei,

dann knallen die Hunde durch

Foto: Heike + Thomas Steeb

Unübersehbar gibt es auf diesem Hof eine riesige Halle, eine ehemalige Reithalle, denn der Hof war mal ein Gestüt. Darin waren in Knast ähnlichen Verhältnissen weit über 50 Hunde in 4 Zwingerreihen eingesperrt. Auch diese Zwinger 2x3 Meter groß, auch darin teilweise mehrere Hunde

Die Halle

Foto: Autor mir bekannt

 

Diese Halle aber wurde elegant umgangen, keine der  „im Tierschutz erfahrenen Mitarbeiter“ der Redaktion bemerkte irgendetwas, oder durfte die Halle betreten. Wenn ich und andere auf dem Hof waren, bekamen auch die Schwerhörigen mit, dass in dieser Halle Hunde waren.

 

Und auch dazu ein kleiner Exkurs in das Tierschutzgesetz: Hunde die in Zwingern gehalten werden, müssen nach mindestens einer Seite freie Sicht nach außen haben. Für „Giraffenhunde“ wäre das möglich gewesen, denn die Fenster der Halle sind Oberfenster, für die dort gehaltenen Hunde aber nicht. Ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und das bemängelte unter anderem auch die Staatsanwaltschaft Ravensburg in ihrer Pressemitteilung nach Beendigung des Verfahrens gegen die „Tierschützerin“ Christiane Rohn.

 

Foto: Autor mir bekannt

Wörtlich zitiert: „Tiere litten erheblich“ und wenn die Mitarbeiterinnen des bayerischen Fernsehens schon nicht den Kritikern glauben wollten, ein kurzer Anruf bei der Staatsanwaltschaft hätte genügt.

 

Genau das hätten sie getan, schreibt Dr. Fuchs:

 

„ …Da wir den Wahrheitsgehalt von Internetseiten nicht bewerten können, müssen wir uns auf die direkte Auskunft der Überwachungsbehörden verlassen. Eine Nachfrage bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Ravensburg hatte folgendes Ergebnis: Das Verfahren, verursacht durch eine Anzeige gegen Frau Rohn, war im vergangenen Jahr gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Laut Oberstaatsanwalt Herrn Schurr sei der Hauptvorwurf damals gewesen, dass Frau Rohn Zwingerhunde auf zu engem Raum in umfunktionierten Pferdeboxen gehalten und somit gegen die Tierschutzverordnung verstoßen habe. Die Zahl der Tiere habe sie daraufhin reduziert und derzeit gebe es kein Verfahren oder weitere Ermittlungen gegen sie. In der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es weiter: "Die in der Öffentlichkeit und im Internet erhobenen gegenseitigen Vorwürfe und Verdächtigungen der Sympathisanten und Gegner der Beschuldigten lassen sich teilweise gar nicht, teilweise nicht mit der erforderlichen gerichtsverwertbaren Sicherheit beweisen". Auch vom zuständigen Veterinäramt gibt es derzeit keine Vorwürfe gegen die Betreiber des Allgäuer Argenhofes.“

 

So ganz entspricht das nicht der Wahrheit, denn die Redaktion der Sendung bestätigte mir, dass dieser Anruf erst nach der Ausstrahlung der Sendung erfolgt sei. Aber ein Programmdirektor kann ja nicht alles wissen. Im übrigen finde ich es schon stark, wenn man den Wahrheitsgehalt von Internetseiten nicht bewerten kann, aber der Hofbetreiberin anscheinend alles ungesehen glaubt.

 

Fakt ist damit, man wollte trotz Warnungen im Internet eine „schöne“ Story senden und man schreckte erst auf, als die ersten Kritiker sich unter anderem beim Intendanten des Senders beschwerten. Umgekehrt wäre es vielleicht sinnvoller gewesen.

 

Aber man kann den Ball ja mal zurückspielen, Rückpassspiel sozusagen und das liest sich so:

 

„ … Leider haben Sie, nicht konkret benannt, was an dieser Sendung "nicht den tatsächlichen Gegebenheiten auf diesem Hof entsprach" - ich nehme deshalb an, es war vor allem die Wahl des Aufzeichnungsortes und der Gesprächspartner.“

 

Von wegen nicht konkret benannt. Sowohl schriftlich als auch mündlich habe ich betont, dass ich nicht die ganzen Vorwürfe detailliert wiederholen will, da sonst Romane an den Sender gegangen wären. Sehr wohl aber verwies ich auf die von mir geschriebenen Artikel über den „Argen Hof“ am „Argen Knie“. Wahrscheinlich hat man das bis heute noch nicht im „Hause Bayern“ gelesen, denn die Geschichte ist gelaufen und gesendet.

Da „laust“ sich selbst der Affe

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Die Artikel wurden unter dem Titel „Arge(n) Märchen“ veröffentlicht. Im übrigen wäre es im Nachhinein auch zu nichts mehr nütze gewesen, denn die berühmte Oma hatte sich da bereits von ihrer kleinen Rente die berühmten 10 Euro abgehungert und überwiesen, dank einer Tierärztin und Therapeutin.

 

Vollends einfach macht es sich dann der Herr Programmdirektor, wenn er schreibt:

 

„ … Selbstverständlich kann die Redaktion für die Wahl des Aufzeichnungsortes vom Ist - Zustand ausgehen. Und genauso selbstverständlich kann bzw. darf eine Fernsehredaktion nicht jede Gesprächsperson daraufhin prüfen, ob dieser Person irgendwann in der Vergangenheit Fehler vorgeworfen wurden. Aber wenn sie Vorwürfe, die sich auf ein von der Staatsanwaltschaft eingestelltes Verfahren beziehen, erneut anklagend aufarbeiten und Behauptungen über eine Person publizieren würde, die sich (bisher jedenfalls) nicht beweisen lassen, muss sie auch die rechtlichen Konsequenzen bedenken. Ich denke Sie haben dafür Verständnis.“

 

Denn da hätte es ja durchaus eine Alternative gegeben. Und die könnte lauten: Es gibt heftige Vorwürfe und eine Anzeige mit einer Geldstrafe. Man kann oder will diese Vorwürfe nicht überprüfen und daher verzichtet man auf diese „Märchenstunde“ am Sonntag Nachmittag. Statt dessen probiert man es mit einem unbescholtenen Tierschutzprojekt .

 

Im übrigen hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren nicht eingestellt, sondern mit eben einer Geldbuße abgeschlossen. Wer sich die Mühe macht - und das sollten Journalisten des öffentlich rechtlichen Fernsehens tun - wird schnell feststellen, eine derart hohe Geldbuße wird nicht alle Tage ausgesprochen, wenn es um Tierschutz geht.

 

Lange genug über das Vorfeld geschrieben, möchte ich mal zum Inhalt der Sendung kommen und da zeigt es sich doch, dass es für die Tierwelt offensichtlich besser oder gesünder ist, wenn die Moderatorin auf eine eigene Praxis verzichtet.

... Und da kommen sie alle angerannt ...

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Anscheinend „besoffen“ vor Glück erklärt diese, es gäbe auf dem Hof einen Esel, der sogar auf seinen Namen hört und dann ruft sie Leila und tatsächlich kommt nach mehrmaligem Rufen eine Eselin angetrabt.

 

Welch ein Glück und welche Einmaligkeit!

 

Ganz so toll ist das allerdings nicht, denn würde ich alle Eselbesitzer bitten, mit ihren Tieren gen Bayern zu ziehen, wenn die auf ihren Namen hören, wäre die Eselei auf dem Gelände des Senders perfekt und der Laden überfüllt. Über diese Eselin und den Rest der kleinen „Herde“ ist genug geschrieben worden. Daher nur soviel: Ihre Herkunft, wie sie von der „Tierschützerin“ Christiane Rohn beschrieben wird, stimmt nicht, denn sie hatte die Esel praktisch in der Nachbarschaft, nämlich in Biberach  gekauft, ein Fall für den Tierschutz waren sie nicht. Der ehemalige Besitzer musste sie aus rein persönlichen Gründen abgeben.

 

Ein Höhepunkt war die Vorführung der so genannten „Halbwölfe“. Immerhin waren diese Tiere an diesem Tage wenigstens keine „richtigen Wölfe“ mehr. Wenn nämlich Frau Dr. Schubert, Tierärztin und Verhaltenstherapeutin, auf dem Hof ist, werden sie eben etwas anders vorgestellt.

 

Die Moderatorin quatscht also in ihr Mikrofon, es sei ja heutzutage schick, einen solchen Halbwolf an der Leine zu haben.

 

Es wölft gewaltig!

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Tolle Sache oder Dummheit?

 

Erstens ist es in Deutschland nicht schick, einen Halbwolf an der Leine zu haben, sondern eine ganz seltene Ausnahme. Also eher „Dummheit“, so eine Behauptung aufzustellen. Denn für die Haltung von Wildtieren und auch deren Mischlingen bedarf es einer Genehmigung und die wird sehr restriktiv vergeben, aus verständlichen Gründen übrigens.

 

Eine der Voraussetzungen für eine solche Genehmigung ist eine entsprechende Ausbildung oder entsprechende Kenntnisse. Die aber hat die „Hundeflüsterin aus dem Allgäu“ nicht und sie hat auch keine Genehmigung zur Haltung solcher Tiere. .Brauch sie auch nicht, denn es sind „ganz normale Hunde“.

 

Und obwohl ich nichts studiert habe und schon gar nicht Tiermedizin, weiß ich immerhin, dass ein Halbwolf nur dann ein solcher ist, wenn ein Elterntier eben ein Wolf ist.

 

Die Eltern dieser „Halbwölfe“ standen ruhig daneben und schauten sich das ganze „Theater“ an. Vater aber ein Hund und die Mutter auch ein Hund, liebe Frau Doktor.

 

Demnächst wird der bayerische Sender behaupten, aufgrund ihrer Moderatorin und deren Kenntnisse über Vererbung seien die Mendelschen Vererbungslehren komplett umgeschrieben worden.

 

Da stellt sich mir dann die Frage, ob die Frau Doktor etwas weiß, was ich nicht weiß. Oder anders geschrieben, vielleicht lautete das Thema ihrer Doktorarbeit:

So hausten die „Wölfe“ übrigens lange, wenn mal niemand auf dem Hof war

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Überlebensstrategien europäischer Wölfe dank Flugsperma oder der unbefleckten Empfängnis!

 

Reife Leistung einer Medizinerin und daher mein Vorschlag, mindestens einen Faschingsorden in der nächsten Kampagne an die Redaktion. Und ihre Erkenntnisse über Halbwölfe und andere Wildtiere gehört in die naturwissenschaftlichen Fachblätter und zwar in die, die in den Praxen und beim Friseur  ausliegen, damit Mutti etwas zu lesen hat. .Prinz Charles und Dr. Schubert und anderer „Blödsinn“ sozusagen!

 

Auch ein „netter Bestandteil“ der Sendung ein Gespräch sozusagen von Expertin zu Experte. Nämlich Frau Dr. Schubert, Tierärztin und Verhaltenstherapeutin, auf der einen Seite und der Lebensgefährte von Christiane Rohn, Klaus Schumacher, 2. Vorsitzender des Trägervereines und Leiter der Ravensburger Polizeihundestaffel auf der anderen Seite.

 

Inhalt ihres lehrreichen Dialoges der Hund Aydin. Klaus Sch. beschreibt ihn so, er sei nebst vielen anderen Hunden ein rumänischer Straßenhund, .ein Leika.

Der „rumänische Straßenhund“ Aydin

Foto: Heike + Thomas Steeb

Bravo Herr Schumacher, denn erstens ist Aydin kein rumänischer Straßenhund, dann müsste er nämlich aus Rumänien kommen und ein Leika hat mit Rumänien schon gleich gar nichts zu tun. Das ist nämlich ein Rasse aus Russland und vergleichbar einem karelischen Bärenhund, oder einem norwegischen Elchhund. Auf jeden Fall wird er in seiner Heimat als Jagdhund benützt.

 

Als die „Tierschützerin“ Rohn den Hund bekam, übrigens nicht aus Rumänien, wusste sie nicht, was ein Leika ist. Frau Dr. Schubert natürlich auch nicht, obwohl auch Rassekunde zum Studium gehört.

 

Es ist schon toll, von solchen „Moderatorinnen“ die Tierwelt erklärt zu bekommen.

 

Noch mal zurück zu den Halbwölfen, den die waren auch schon mal etwas anderes. So erklärte der von Rassen, Vererbung und Wildtieren völlig unbeleckte Polizist Klaus Sch. einmal bei einer Führung, besser einer Märchenstunde, auf dem Hof, wie viel Wolf in diesen Tieren stecke, wisse man nicht genau.

 

Heute wissen wir es dank Frau Dr. Schubert, Tierärztin und Verhaltenstherapeutin, es sind „Halbwölfe“, Vater tschechoslowakischer Wolfshund, also ein Rassehund. Mutter Schlittenhund und die liebe Kinderschar mutiert dadurch zum Halbwolf. Vielleicht kam ja aus dem Gebüsch auch noch das Rotkäppchen, denn Christiane Rohn hat so einen wunderschönen bordeauxroten Hut.

Quelle: Wikipedia

Wie viel Wolf weiß man nicht genau, sagt der Polizist, die Tierärztin sagt Halbwolf und was gibt es noch dazu zu sagen?

 

Da hat ein „Journalist der Stuttgarter Zeitung auch noch eine Meinung. So titelte das Blatt ausgerechnet am Faschingsdienstag  2006:

 

„Kampf unter Tierschützern setzt der Hundeflüstererin zu“

 

Auszüge:

 

“ ... In diesen kalten Monaten liegt der Gnadenhof bei Amtzell im Landkreis Ravensburg so friedlich da, als sei er in den Winterschlaf gefallen. Den Eseln gefällt"s und auch den Wölfen, die vor gut zwei Jahren beim Grenzübertritt vom Zoll beschlagnahmt wurden, weil mit dieser Art gezüchteter Tiere nicht gehandelt werden darf.“

 

Und an anderer Stelle in seinem von Helau und Alaf unterbrochenen Artikel:

 

“ ...  Und dann gibt es noch die Araberpferde aus Ungarn, die auf dem Weg in die Wurstfabrik nach Italien waren und erbärmlich ausschauten. Wolf und Pferd, die Todgeweihten, fanden bei Christiane Rohn (36) eine sichere Bleibe.“

 

Am Aschermittwoch ist alles vorbei und bevor mal wieder eine Dr. Schubert kommt, die so genannten „Wölfe - Wolfsmischlinge - oder Halbwölfe“ wurden von der „Lügenbaro(h)nin selbst gezüchtet und es gab noch mehr davon, nämlich in der ehemaligen Reithalle und die Araberpferde hatten es auch nicht so anstrengend, denn diese „Todgeweihten“ wurden bei einem Züchter ca. eine Autostunde von Amtzell entfernt gekauft. Für all dies gibt es genug Zeugen.

Beinahe wären sie „Salami“ geworden ... sagt man wenigstens

Foto: Heike + Thomas Steeb

Hundezeitungen

 

Für sich den Anspruch erhebend, sie seien Fachzeitschriften, haben sie ihre ganze Kompetenz im Zusammenhang mit dem „Arge(n) Hof“ sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Denn auch hier waren Mitarbeiter dieser Blätter auf dem Hof, haben „sorgfältig recherchiert“ und sich ausgiebig informiert und dann geschrieben.

 

Beispiele:

Die Autorin Kathrin Gutmann wird als Hundefreundin vorgestellt. Weit her mit dieser Freundschaft scheint es nicht her zu sein, denn auch sie muss die kleinen Zwinger auf dem Hof gesehen haben und auf Nachfrage bestätigte sie, die Halle und ihren „Inhalt“ nicht zu kennen. Eigentlich unverständlich, heißt es doch in der Vorstellung:

 

“ ... Die Hundefreundin, geboren 1978 in Leutkirch im Allgäu, studiert derzeit in Berlin Sprach -, Literatur - und Kommunikationswissenschaften und engagiert sich im Tierschutz im In - und Ausland.“

 

Aus der Gegend kommend, muss sie etwas mitbekommen haben von der Kritik an der „Hundeflüsterin“. Aber eine nette Berichterstattung scheint wichtiger zu sein.

 

Und wie üblich, man zeigte ihr das, was einen „guten Eindruck“ machte, an den anderen Gebäuden lotste man sie elegant vorbei und sie schien das nicht zu stören. Denn sie schreibt:

 

“ ... Zum rund sieben Hektar großen Gnadenhofgelände gehören weitläufige Koppeln, etliche Gehege, Stallungen und andere Gebäude…

 

… Nach einem ausgiebigen, sehr informativen Rundgang mit Klaus Schuhmacher, Leiter der Polizeihundeführer Ravensburg und Lebensgefährte von Christiane Rohn, treffe ich gegen Mittag in der Galerie des Hauptgebäudes auf die Frau, die das alles ins Leben gerufen hat.“

Der „Hundeexperte“ Klaus Sch. (mit Kappe) erklärt die „Lage“

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Wer sich einigermaßen mit Hunden auskennt, sollte bei einem Rundgang merken, dass die folgenden Sätze auch nicht stimmen, denn anfassen könnte man die angeblich so aggressiven Hunde schon, wenn man sich denn traute, oder wenn man sich von der „Hundeflüsterin“ und ihrem „Gehilfen von der Polizei“ nicht eine Mark in die Tasche reden lassen würde :

 

“ ... Für die Hunde, die auf dem Gnadenhof landen, ist das die letzte Rettung - es werden ausschließlich Notfälle aufgenommen, die sonst keine Chance mehr hätten: Hunde, die gebissen haben und eingeschläfert  werden sollten, Hunde aus behördlicher Beschlagnahmung, die aggressiv sind und an die sich niemand herantraut - Hunde, die schlicht als gefährlich gelten. Christiane Rohn versucht, sie zu therapieren und anschließend neue Besitzer für sie zu finden.“

 

Kann sich noch jemand an die Formulierung in einem Zeugnis erinnern, wenn der Mitarbeiter nicht so der Hit war, er bemühte sich redlich. Und so lief es bei den angeblich so aggressiven Hunden. Der Anteil an dieser „Kategorie“ ist minimal. Aber die „Lügenbaro(h)nin“ kann erzählen, was sie will, es gibt genug Gläubige unter denen, die von sich behaupten, sorgfältig zu recherchieren und dann zu berichten.

 

Ein guter Schluss ziert alles und daher meint die Autorin Katrin Guthmann:

 

“ ... Am späten Nachmittag ist es Zeit für mich, aufzubrechen. Ich verlasse das Gnadenhofgelände und schließe das Tor hinter mir - doch mein nächster Besuch ist bereits in Planung.“

 

Da wollte ich einhaken und sie etwas sensibler machen in der Hoffnung, der nächste Besuch fällt anders aus. Leider erklärte mir die Chefredakteurin dieser „Fachzeitschrift“, eine Nachberichterstattung über die tatsächliche Lage auf dem Hof wäre nicht möglich. Grund, man habe kein Geld, keine Zeit und zuwenig Mitarbeiter. Für diese Berichterstattung aber reichte es.

 

Katrin Guthmann wollte sich mit mir unterhalten, es wurde nichts draus, denn sie engagiert sich ja im Tierschutz im In - und Ausland.

 

Hund, Katz, Maus

 

Und das klingt so ähnlich wie ein Wahlslogan in den 80er Jahren, der lautete: Legal, illegal, scheißegal.

 

Denn auch in dieser Sendung wurde das Projekt mit der „wundervollen Arbeit“ ( Zitat Chr. D.) vorgestellt. Damals hatte es die Moderatorin an den Beinen. Das machte nichts, denn die „Macherin“ des Beitrages Christine D. hatte alles im Griff und auch sie recherchierte sorgfältigst, sagte sie wenigstens zu mir. Durch die Lappen ist ihr die Halle gegangen, und Dutzende von Minizwingern fand sie auch  in Ordnung. Der Rest ihrer Rechtfertigungen klang, wie bei allen anderen auch.

 

Was aber hat das mit legal, illegal, scheißegal zu tun? Einfache Antwort. Als der Beitrag wiederholt werden sollte, haben verschiedene Kritiker den Sender gebeten, auf diese Wiederholung zu verzichten. Die Anschreiben an die Redaktion waren höflich.

 

Einen Sender anzuschreiben, egal aus welchem Grunde ist legal. Es ist angeblich sogar erwünscht, sagen wenigstens die PR - Leute.

 

Illegal ist es, wenn die Redaktion erst den Hof über die Schreiben der Kritiker informiert und dann, nachdem Christiane Rohn darum gebeten hat, diese Schreiben an den Hof schickt, mit der Bemerkung, wie die sich gemeldet haben, sei „leicht wirr“. Journalisten, die ich gefragt habe, wie sie so ein Vorgehen finden, konnten es fast nicht glauben. In ihren Redaktionen habe es etwas derartiges noch nicht gegeben. Illegal eben!

 

Scheißegal ist es deswegen, weil ein derartiges Vorgehen sich dem Stil der Berichterstattung nahtlos einfügt. Und auf einen „Bockmist“ mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an.

 

Noch mal an den Anfang, zu Frau Dr. Schubert, Tierärztin und Verhaltenstherapeutin. In Oberschwaben und dem benachbarten Bayern gibt es eine ganze Reihe von Dörfern, in denen Störche leben.

 

Es wäre doch mal schön, darüber einen Filmbeitrag zu drehen, moderiert von ihr. Da könnte sie dann verzückt berichten, wie die Störche die Kinder bringen, die Buben in hellblau, die Mädchen in rosa Tüchern eingepackt. Und sicher findet sich eine Storchenhilfsstation, die man dann mit einer Spende beglücken kann, denn auch die Tücher gehen mit der Zeit kaputt.

 

Apropos Spenden, so ganz rein scheint das Gewissen der Verantwortlichen beim Sender nicht gewesen zu sein, denn als ich darum bat, doch wenigstens das Spendenkonto des „arge(n) Hofes“ von der HP zu nehmen, kam man meiner Bitte nach.

Das ist selbst dem „Wolf“ nicht ganz geheuer

Foto: Heike + Thomas Steeb

 

Hartmut Deckert