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| Ausgabe 04/2008 |
Juli + August 2008
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„Seegötter“ In einem Tierheim am Bodensee, genauer in Friedrichshafen, glaubten Mitarbeiter Gott oder Göttin spielen zu können. Unter Mithilfe eines Tierarztes wurden in diesem Tierheim untergebrachte Tiere in insgesamt 84 Fällen eingeschläfert. Ein ungeheuerer Vorwurf, aber mit Geldstrafen unterdessen von Amtsgericht Tettnang bestätigt. Das wenigstens meldet der Südkurier Anfang April 2008. Die Journalistin Kerstin Mommsen schreibt im für den Bodenseeraum und Oberschwaben erscheinenden Blatt:
Vom Amtsgericht Tettnang wurden gegen drei Beteiligte Geldstrafen von insgesamt 5900.- Euro verhängt. Der verantwortliche Tierarzt des Tierheimes, Iven Heinrich, so ergaben die Ermittlungen, überließ Tierheimmitarbeitern das Betäubungsmittel Pentobarbital. Dieses wird zum Einschläfern von Tieren benutzt. Zudem wurde mit seiner Erlaubnis seine Unterschrift gefälscht, wenn es darum ging, EU – Heimtierausweise zu fälschen. Mit einer für meine Begriffe milden Quittung kam er davon: 90 Tagessätze zu 30 Euro Strafe bezahlen. Laut Strafbefehl hatte die Tierheimleiterin Doris Philipp in insgesamt 24 Fällen Tiere eingeschläfert. Gegen sie erging eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 20 Euro. Die Stellvertreterin Katja Teifke schläferte laut Staatsanwaltschaft 40 Katzen sowie zehn weitere Tiere ein, zudem konnten ihr insgesamt 60 Fälle von Urkundenfälschung nachgewiesen werden, so der Südkurier. Sie wurde zu 80 Tagessätze zu je 30 Euro Geldstrafe verurteilt. Warum die Tiere überhaupt ohne Anwesenheit eines Tierarztes, wie es die gesetzlichen Regelungen (Betäubungsmittelgesetz) vorschreiben, erfolgte, ist laut dieser Zeitungsmeldung unklar. Träger des Tierheimes ist der Tierschutzverein Friedrichshafen e.V., insgesamt 16 Gemeinden aus dem Kreis bezahlen eine Fundtierpauschale in Höhe von 25 Cent pro Einwohner an das Tierheim. Allein die Stadt Friedrichshafen bezahlt jährlich 16400 Euro Steuergelder an die Einrichtung, immer zum Wohle des Tierschutzes, wie die Verantwortlichen stets betonen. Gegen das Tierheim werden weitere Vorwürfe laut, so recherchiert wenigstens die Zeitung. Sozusagen ins Rollen waren die Ermittlungen gekommen, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin im März vergangenen Jahres Anzeige erstattet hatte. Die Vorsitzende des Tierschutzvereines, Myriam Zanker, will bei der Jahreshauptversammlung am 28. März 2008 die Konsequenzen aus der Affäre bekannt geben, sie teilte mit: "Der Vorstand wird versuchen, alles genauestens aufzuklären". Ein Grund, warum eine derart hohe Zahl von Tieren eingeschläfert wurde, liegt darin, dass auch noch andere Vorwürfe gegen das Tierheim und seine Angestellten auftauchen. Diese haben dann allerdings auch der Vorstand zu verantworten. Der Südkurier schreibt:
Eine ganze Reihe von vermittelten und kranken Katzen listet der Artikel auf, zwei möchte ich vorstellen, denn sie zeigen ein geradezu unverantwortliches Verhalten der Verantwortlichen. Der Südkurier schreibt:
Da klingt es schon reichlich eigenartig, wenn die Vorsitzende des Tierschutzvereines darauf hinweist, dass jeder einzelne Fall nun aufgeklärt werden soll. Was haben die Verantwortlichen denn bisher getan und wie konnte eine derart hohe Anzahl von Tieren eingeschläfert werden, ohne dass der Vorstand informiert war? Wenig hilfreich ist da auch der Hinweis der Vorsitzenden, im letzen Jahr seien 869 Tiere vermittelt worden. Noch im September 2007 hatten die Verantwortlichen gegenüber dem Südkurier ihre Unschuld beteuert. Doris Philipp, Leiterin des Tierheims, versicherte damals: "Ich operiere nicht." Schreibt das Blatt. Und der verantwortliche Tierarzt behauptete zu dieser Zeit, Doris Philipp assistiere ihm lediglich. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht sahen das anders, der Südkurier schreibt:
Bliebe noch zu erwähnen, der Tierschutzverein Friedrichshafen am Bodensee ist Mitglied im Deutschen Tierschutzbund. Von dieser Seite kam nach meiner Information nicht viel erhellendes. Das allerdings ist man von den „Herrschaften aus Bonn“ gewohnt. Wie sagte doch die Vorsitzende des Vereines: Sie wolle, dass jeder einzelne Fall nun aufgeklärt werden soll. Daher habe ich mal das im Internet in Auszügen veröffentlichte Protokoll der Jahreshauptversammlung am 28. März 2008 gelesen. Der Vorstand ist trotz dieser Vorkommnisse offensichtlich immer noch der gleiche, ebenso liegt die Leitung des Tierheimes immer noch in den gleichen Händen, die laut einem Urteil mindestens 40 Katzen sowie zehn weitere Tiere eingeschläfert haben soll. Im Internet heißt es:
Auszüge daraus und gleich der erste Absatz ist wichtig, denn die Sitzungsleitung übernahm lt. diesem Protokoll einer der beiden Vorsitzenden des Landestierschutzbundes:
Geradezu der Hohn die folgenden Sätze aus dem Protokoll:
Wie man diese Probleme löste, siehe oben, oder den Artikel aus dem Südkurier. Und wie man mit den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft umgeht, zeigt das Protokoll dieser Mitgliederversammlung überdeutlich, Augen zu und durch. Das allerdings macht den Tierschutz nicht gerade glaubwürdig. Auszüge:
Wie man in diesem Verein mit Vorstandsmitgliedern umgeht, die derart in der Öffentlichkeit stehen, zeigt ein weiterer Auszug aus dem Protokoll, dort heißt es:
Und wichtig die folgenden Sätze, denn sie zeigen, viel gelernt hat man aus diesen Ermittlungen nicht:
Unterschrieben ist dieses Protokoll vom 29. März 2008 von Dr. Rainer Schmidberger, Pressesprecher des Vorstandes. Die räumlich Nähe zum „Gnadenloshof“ der angeblichen Tierschützerin Christiane Rohn drängt sich geradezu auf. Und etwas anderes gibt Grund zum Nachdenken. Im Falle des Tierschutzvereines Friedrichshafen wurden gegen mehrere Personen Geldstrafen erlassen, die nicht unerheblich sind. Aber man erinnere sich, die Hundeflüsterein von Amtzell bekam alleine eine Geldstrafe, die laut Internet 8000.- Euro betrug. Nimmt man also an, dass die Rechtssprechung innerhalb einer zuständigen Staatsanwaltschaft und eines unmittelbar benachbarten Amtsgerichtes in etwa identisch oder ähnlich ist, gibt das Verfahren gegen Christiane Rohn schon zu denken. Eines aber zeigen beide „Fälle“, die Spendenbereitschaft für Projekte innerhalb des Tierschutzes ist notwendig. Aber unbedarfte Spender/innen sorgen immer wieder dafür, dass solche Vorkommnisse wie in Friedrichshafen oder Amtzell erst möglich gemacht werden. Es wäre also wünschenswert, dass alle Spender sich genau überlegen, was und wen sie unterstützen. Und dazu ist es eben notwendig, nicht dem Internet zu vertrauen, sondern sich selber vor Ort ein Bild zu machen. Also Augen auf nicht nur im Straßenverkehr. Denn bei aller Wut über solche Vorfälle, eine Mitschuld tragen immer die „edlen“ Spender. Hartmut Deckert
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