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| Ausgabe 06/2008 |
November + Dezember 2008
|
Private
Schutzhundausbildung
Liebe
Hunde - und vor allem Schäferhundefreunde, was haben die obenstehenden Bilder
gemeinsam ? Nichts, - was soll das, werden viele sagen. Und doch, es
gibt eine Gemeinsamkeit: Im Prinzip stammen sie alle aus einer Zeit; nämlich
der des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Der von mir als
Kynologe und Hundekenner hochverehrte Rittmeister Max von Stephanitz
(1864-1936) hatte innerhalb weniger Jahre eine "neue Hunderasse" aus
der Taufe gehoben, den DEUTSCHEN SCHÄFERHUND. Er war nach Gründung des
"SV" ("Verein für Deutsche Schäferhunde (SV)" 1899) stets
bestrebt, den universellen Anlagen dieses Hundes gerecht zu werden, indem er
die verschiedenartigsten z.T. neuen Betätigungsfelder "seiner" Rasse
gezielt suchte und besetzte.
Er
ging dabei im positiven Sinne sehr geschickt vor, wie das folgende ungekürzte
Zitat zeigt:
"Auch
der Liebhaber wählte den Schäferhund als Hovawart, als Schutz - und
Begleithund, damit erkannte er dessen vollen Wert, lernte er Schäferhundwesen
und - anlagen schätzen. Hier setzte dann des SV Fürsorgetätigkeit ein: er
versuchte den Schäferhund in den beiden damals schon vorhandenen Zweigen des
Diensthundwesens unterzubringen, bei den Kriegshunden und bei den
Sanitätshunden; darüber werde ich anschließend berichten. Weil diese beiden
Berufe aber doch nur einen geringen Bestand an diensttuenden Hunden aufnehmen
konnten, riet der SV den Schäferhundliebhabern, ihre Hunde im Hinblick auf
solche Dienstverwendung im Bedarfsfall abzurichten und ihnen auch eine
regelrechte Erziehung und Ausbildung zum Schutzhund zu geben. Daraus
entwickelte sich dann das heutige Polizeihundwesen; da das dann in der
Diensthundbewegung führend wurde, sei es hier auch an erster Stelle
besprochen."
(Ende
des Zitats aus: v. Stephanitz, Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild,
8.Aufl., 2.Repl.Druck, S. 470).
Um
es auf den Punkt zu bringen: v. Stephanitz ging es darum, eine möglichst breite
Basis an ausgebildeten Schutzhunden zur Verfügung zu haben im Blick auf Ihre
spätere Verwendung in den angesprochenen "Berufen". Die
ursprünglichste Betätigung des SCHÄFERhundes, die Arbeit an der Herde, geriet
bereits damals mehr und mehr außer Blick. Im Zuge des Baumwoll -
"Booms" nahm auch in Deutschland die wollorientierte Massen -
Schafhaltung mehr und mehr ab.
Man
befand sich in Preußen, Deutschland war Kolonialmacht und auf dem Weg in den I.
Weltkrieg; v. Stephanitz, selbst Offizier, spricht hier ganz als "Kind
seiner Zeit" und außerdem als ganz geschickter "Manager" seiner
Hunde und seines Vereins. Dies kann und sollte man ihm nicht übel nehmen, nur
... wir Heutigen und mit uns unsere Hunde, leben in einer gänzlich veränderten
Welt.
Lebensformen,
Lebensweisen, Staaten, Gesetze, politische Grundsätze, Vorder - und
Hintergrund, Menschen und ... Hunde - alles hat sich gewandelt; v. Stephanitz
lebte in einer Zeit, in der, wie die obigen zeitgenössischen Bilder zeigen, der
überland-radelnde "Biker" seinen Personenschutz in Form des
Radfahrerrevolvers noch selbst in die Hand nahm. (Man beachte die speziell
geschaffene Patronenbezeichnung: "5,75mm VELODOG" !)
Quelle:
Mustafa Aslan
Die
Zeiten haben sich, - man möchte sagen, - Gott sei Dank -, geändert !
Von Stephanitz war zwar nicht der Erfinder des Polizeihundes an sich, er hat aber diesen "Beruf" seiner "Schützlinge" (!) maßgeblich beeinflusst , ihn immer wieder propagiert und die systematische Ausbildung angeregt, gefördert und literarisch begleitet. Das moderne Polizeihundewesen verdankt ihm viel - nicht von ungefähr galt der Deutsche Schäferhund bis vor wenigen Jahren noch als der Polizeihund - und nicht von ungefähr ist "Kommissar REX" ein DSH.
Die
Fixierung des Rassegründers auf die damals "moderne" Militär- und
Sicherheitsszenerie" machte es in seinen Augen erforderlich, die Gebrauchstüchtigkeit
des Deutschen Schäferhundes durch Regelungen der Zuchtvoraussetzung zu
gewährleisten.
Um
Deutsche Schäferhunde im Sinne des SV züchten zu dürfen und damit in den Besitz
der begehrten "Papiere" zu gelangen, mussten und müssen bis heute die
Zuchtpartner bestimmte Bedingungen erfüllen. Wir sind immer noch in Deutschland
- und da heißt dies: Sie müssen ein Ausbildungskennzeichen vorweisen können.
Der reinen "Liebhaberzucht" - wie ich sie an anderer Stelle für die
Altdeutschen Hütehunde gefordert habe, wird dadurch ein Riegel vorgeschoben.
Der zuchtbereite DSH muss (neben einer zu begrüßenden Gesundheitsprüfung /HD)
entweder ein HGH (Herdengebrauchshund), ein FH (Fährtenhund) oder eben ein SCHH
(Schutzhund) sein, um seine Familienplanung" zu legalisieren.
(Nebenbei
bemerkt: Wenn wir, die DSH - Interessenten nicht durch die Bank so
"scharf" auf die "Roten Papiere" wären, ließe sich dieses
SV-Gesetz leicht umgehen!)
Nun
sind Schaf-Übungsherden nicht "an jeder Ecke" zu finden - HGHs sind
also relativ selten. Fährtenprüfungen finden bis zu Meisterschaften auf vielen
Ebenen statt, aber die hierzu notwendigen Trainingseinheiten eignen sich eher
für Einzelarbeit oder bestenfalls Kleingruppen. Schutzdienst aber, das ist ein
Fall für den Verein; hier lässt sich, wie beim Fußball am Spielfeldrand leicht
fachsimpeln und "bundestrainern". Hier werden Helfer gebraucht,
Übungsleiter und "fachkundige" d.h. staunende oder auch manchmal
neidische Zuschauer.(!!)
Von
den oft selbsternannten "Fachleuten" - übrigens alles Menschen - wird
stets ins Felde geführt, für den Hund (also den fertigen oder auszubildenden)
Schutzhund sei das Beißen in den Schutzarm des Helfers und das anschließende
"Erbeuten" desselben ein schönes Spiel - eine willkommene Befriedigung
des Beutetriebes; man befinde sich im Triebkreis des "Stöberns,
Verfolgens, Stellens und Ergreifens" einer Beute - also hier des
Schutzarmes.
Horand
v. Grafrath
Nun
ist in den Uranlagen der Hunde als Wolfnachkömmlingen mit dem Ergreifen der
Beute allein der "Spaß" noch nicht zu Ende; der Sinn des Ganzen - und
erst hier schließt sich der Kreis -, ist die Tötung mit anschließender
Verwertung (sofort Fressen; zu den Welpen bringen; Verbuddeln). Wir haben es
also - was den beteiligten Hund angeht - durchaus mit einem Raubtierverhalten
zu tun, bei dem es in gewisser Weise "um Tod und Leben" geht.
Der
oben skizzierte Beutetrieb liegt beim Hund ,um es plastisch zu sagen, sehr
dicht unter der Oberfläche; das weiß jeder Hundebesitzer, der mit seinem
Vierbeiner "Stöckchen holen" oder "Bällchen werfen" ...ja,
spielt !!! Durch das Wegwerfen eines simplen Stocks oder Balls bringen wir den
Hund in die beutetriebauslösende "Stimmung", die ihn losrennen und
das betreffende Teil jagen, packen, evtl. schütteln, zerbeißen oder herbeibringen
lässt. - Jeder harmlose Rauhhaarteckel, Yorkshireterrier oder Golden Retriever
ist in dem Sinne "vorbelastet" und "schutzhundfähig".
Dieses
Spiel kann ich mit meinen Hunden überall spielen - ganz alleine - ich
brauche dazu keinen Helfer in Rüstung und schon gar keine "schlauen
Kommentare", es macht uns ganz einfach Spaß, lässt sich in vielen
Varianten betreiben, in Suchspiele einbauen und hat keinerlei negativen
Nebenwirkungen.
Denkste
... hat es doch! Ich trainiere den Hund nämlich damit quasi "von mir weg
(!)", ich "spiele Nach außen" mit ihm, anstatt seine
Aufmerksamkeit "auf mich" als sein "Alpharudelmitglied" zu
konzentrieren. Ein Übertreiben dieser Spiele würde ich von daher nicht
empfehlen, obwohl es sich manchmal nicht vermeiden lässt, mal das Bällchen
fliegen und die Hunde rennen zu lassen. Man sollte aber im Hinterkopf haben:
Der Spaß, den die Hunde dabei in unsern Augen empfinden und den sie auch oft
lautstark äußern, ist in Wahrheit Ausdruck ihrer "Triebeinstimmung".
(Wildhunde stimmen sich vor der Jagd ebenfalls lautstark ein ... und ... was
machen denn unsere hochbezahlten Mannschaftssportler wenn's ernst wird - sie
bilden einen Kreis oder Haufen und "brüllen sich stark", sie stimmen
sich ein, - nichts anderes, - nur aus einem anderen "Tierkreis".)
Wir
können also festhalten: Der Schutzhund auf dem SV-Platz (und auf dem obigen
Foto) stürmt also lediglich seinem "virtuellen Stöckchen" in der
"rein zufälligen" (Uni-) Form des Helfer-Schutzarmes entgegen, um
sich dessen zu bemächtigen!
Ja,
aaaaber....: Kann mir dann aber mal bitte jemand erklären, wieso spielen
"wir" dieses doch so schöne Spiel nicht unserer heutigen Zeit gemäß
?? Hallooo, wir befinden uns im 21. Jahrhundert - im Jahr X nach den
unsäglichen "Kampfhundeerlassen" der Vergangenheit, Kommissar REX hat
soeben sein Bestes gegeben, um dem Image des DSH zumindest bei Kindern wieder
ein wenig auf die Sprünge zu helfen !
Huetefuchs
meint: Es steckt sehr oft (nicht überall!) mehr dahinter als dieses
"virtuelle Stöckchenspiel", daß uns Nichtmitspielern hier (ich sage :
oft) vorgespielt wird !
Einige
Punkte, die mir kritikwürdig erscheinen:
1.)
Es ist eindeutig Aggression im Spiel, ja diese wird sogar
noch provoziert - zum einen durch das Zunächst – Lange - Vorenthalten der "Beute"
und zum zweiten durch "Nachhilfe" mit dem "Soft"stock.
Sehen
und mit hoher Punktzahl bewerten will man den "beutefiebrigen" Hund
(vgl. meine Aussagen zum "Schaffieber" bei den Hütehunden). Das
Szenario ist zwar ein Beutespiel, welches sich aber auch und vielleicht gerade
wegen des Lobes nach vollbrachter und außerdem besonders aggressiv und
"druckvoll" ausgeführter Tat durch den Hundeführer (gibt's dafür
eigentlich kein besseres deutsches Wort??) sehr leicht falsch "verknüpfen"
kann, was zu massiven Problemen im Alltag führt oder zumindest führen kann.
2.) Es muss die Frage nach dem Sinn (!!) des ganzen Unterfangens
"Schutzhundausbildung" für Laienhunde erlaubt sein.
Distanz
zum (Übel-)Täter mit der Tatsache der Möglichkeit (!!) zum Zugriff ist der
einzige Schutz des Schutzhundes !
Wann
begreift man endlich, daß nicht im "Haudraufundschluss", sondern in
gezielter Zurückhaltung und beobachtender Distanz die eigentlichen Wirkungs -
und Schutzmöglichkeiten eines Hundes (und eigentlich aller Einsatzkräfte)
liegen? Übrigens: Wild- oder noch besonders wolfsnahe Hunde (vgl. z.B. den
Saarloos -Wolfshund) legen noch die ererbte erweiterte Individualdistanz zum
Menschen an den Tag, sie sind schon deshalb nur schwer oder gar nicht zur
"Arbeit am Mann", also zum Schutzdienst zu bewegen.(Es sei denn, es
ist "sehr viel SH-Blut im Spiel", oder es wird gezielt über den
Wehrtrieb gearbeitet.)
Foto:
Erich Hoffmann
Wenn
der Sinn dieser "Spiel"-Ausbildung also durchaus zweifelhaft ist,
warum macht man's dann ? Ja, das fragen sich viele - und ich gebe Ihnen auch
meine Meinung als Antwort:
huetefuchs
meint: Der Sinn der SchH-Ausbildung, so wie sie
praktiziert wird, liegt hauptsächlich in der Befriedigung der vielen, vielen
Hundeführer - Ego's.(!!) (Anmerkung : Wer sich angesprochen fühlt, weiß daß ich
recht habe!)
Sie
wird befördert durch die besondere Vereinsstruktur des SV und seine
Traditionen. "Schäferhundzucht ist Gebrauchshundzucht, sonst ist sie keine
Schäferhundzucht"(!), dieser an zahlreichen Stellen seines Buches (z.B. S.
619 und viele andere) ausgesprochen "Befehl" des Rittmeisters, wird
eben heute noch allzu gerne und in meinen Augen allzu oft befolgt. - Wir leben
aber heute in einer gänzlich anderen Zeit mit gänzlich anderen Anforderungen an
die wahre "Gebrauchstüchtigkeit" eines Hundes. - Den von v.
Stephanitz noch propagierten Gebrauchshund braucht heute nur noch eine
verschwindend kleine Minderheit.
Es
ist aber wohl schon ein besonderes, euphorisierendes "Gefühl", knapp
40kg DSH - Rüden neben sich im korrekten "Steh!" oder was auch immer
zu haben und ihn dann mutig und tapfer "draufgehen" zu sehen.(?) Es
hat was militärisches - ohne Zweifel - insofern schwingt die vergangene Zeit
immer noch mit; man fühlt sich gut, kompetent und vor allem stark, so als
militärischer "Unterführer". (Übrigens kann ich, was diesen Punkt
angeht, im Gegensatz zu vielen von den "Hundesportlern" mitreden; ich war milit. Unterführer (ROA) als
Fallschirmjäger bei der BW und ehem. Zeitsoldat!)
Übrigens
- und das soll hier auch nicht verschwiegen werden, hat in den letzten Jahren
und wohl durch die durchs Land geisternde und wirre Auswüchse zeitigende
"Kampfhundedebatte" befördert, der moderne SV durchaus
"dazugelernt" und mit dem sogenannten AUGSBURGER MODELL endlich eine
Plattform geschaffen, die abseits der "Schutzhund-Doktrin"
Hilfestellung für die Ausbildung zum alltagssicheren Familienhund geben will.
Der SV öffnet sich hier in positiver Weise für Nicht-Mitglieder und sogar für
Nicht -Schäferhunde ... wer hätte das gedacht ? Endlich versucht man, das auf
den SV-Plätzen ja durchaus vorhandene Hundewissen in vernünftige, zeitgemäße
Zwecke zu investieren und fährt offenbar gar nicht schlecht dabei.
Nebenbei
gesagt - wird man damit der Urintention des Rassegründers eher gerecht, als
durch das stete Wiederholen von Schutzübungen, die durchaus Gefahren in sich
bergen können. Ich empfehle jedem die durchaus als relativierend zu
interpretierenden Seiten 998 bis 1021 aus dem bereits zitierten Standardwerk
der Kynologie. Ich jedenfalls lese daraus bereits den "Ansatz", ja
eine Spur oder Fährte zum erwähnten Augsburger Modell. - Gut und richtig, daß
sie erkannt und verfolgt wurde!
3.)
Es ist Gewalt im "Spiel" ! - Das reine
Beutespiel, so wie es uns weisgemacht wird, erfordert keine direkte körperliche
Einwirkung auf den Hund. Was hat hier also das Traktieren mit dem noch so
"soften" Softstock zu suchen ? (Bei meinen
"Bällchenspielen" brauche ich den jedenfalls nicht!) In meinen Augen
spielen uns (der Öffentlichkeit) hier die Betreiber dieser "Sportart"
entschieden etwas vor und ich will es auch benennen: Die "Sache" mit
dem "Beutespiel" ist in Wahrheit (auch) ein geschickter
Verschleierungstrick, denn was soll ich mit einem "Schutzhund" der
eigentlich "nur spielen" will ? Nein, er soll nicht "nur
spielen", - machen wir uns doch nichts vor - es geht schon darum, daß der
Hund "im Ernstfall" schützt, also "draufgeht". Also muss in
der "Spieltheorie" der "Ernstfall" möglichst authentisch
nachgestellt und simuliert werden - da sind wir Menschen (auch unter
Unseresgleichen) ziemlich erfindungsreich!
Die
Folge ist, daß der Hund in seiner Aggressionsbereitschaft bestärkt und in die
Nähe (ich sage : in die Nähe) des Triebkreises des sog. Wehrtriebs gebracht
wird. Bei sehr "triebstarken(?)" Hunden kann durch die
mannigfaltigen, schutztriebreizenden Stimulationen bei der Ausbildung (Stress;
Frust; Schmerz...) dieses Wehrverhalten ausgelöst werden, welches nur im
Kampftrieb seine Lösung findet. (Schutztrieb in der Natur : bei
Hündinnen/Wölfinnen zum Welpenschutz --- Kampftrieb in der Natur: Rüdenkampf um
Wölfin/Hündin; Rangordnungskampf, Kampf um Beute).
Wohlgemerkt,
ich sage nicht, daß dies überall so geschieht und gewollt ist, aber die Gefahr
des Missbrauchs besteht und sollte nicht unterschätzt werden.
Hier
muss ich nun noch einmal v. Stephanitz und seine "Bibel" für
Schäferhundhalter zitieren, der es im übrigen so ähnlich ergeht wie der
christlichen Bibel... oh- wenn man doch mehr darin lesen würde... also (Der
deutsche Schäferhund in Wort und Bild, S. 1018f.):
"Dann
aber wollen wir uns auch einmal überlegen, wie oft wohl der
Durchschnittsliebhaber in die Verlegenheit kommen wird, sich durch die Zähne
seines Hundes das Leben retten lassen zu müssen ! Es gibt wohl einzelne Berufe
und Lagen, in denen" (......)
„In
den allermeisten Fällen aber genügt es, daß der Hund als lebendes Warnzeichen
vor Herrn und Habe steht. Das aber tut schon der Hund von rechtem Wesen, dem
Abwehrwille aus Haltung und Augen sprüht."
Rittmeister
Max von Stephanitz (1864-1936)
4.) Die Möglichkeit (ich sage : die Möglichkeit) eines Missverständnisses beim Hund
ist nicht auszuschließen.
Dieser
Einwand wurde schon oft formuliert, ich will ihn trotzdem noch einmal
aufnehmen: Keiner wird "gern" mal von einem Schäferhund ausgerechnet
in den Tennis - oder Golfarm gebissen, nur weil "der dumme Köter"
einen mit seinem so heißgeliebten "bösen Mann" auf dem Hundeplatz
verwechselt hat. Kein "Opa" lässt sich gern den regenbeschirmten Arm
von einem SchH"x" runterreißen, nur weil er eben freundlich seinem
Nachbarn zu gewunken hat, was der Hund als Auslösereiz missverstanden hat. Der
Beispiele wären viele. Ich halte den Schutzsportlern hier noch einmal den
"Spiegel" in Form von v.Stephanitz vor (S.1019) :
"Der
Begriff Mensch aber soll dem Hunde etwas Heiliges, Unantastbares sein, darauf
haben wir es schon bei der ganzen Erziehung von Jugend auf angelegt und davon soll
er nur im äußersten Notfall, zu unserem oder unseres Eigentums Schutz,
abweichen dürfen."
Es
muss hier darauf hingewiesen werden, daß die "reine Lehre" des
Schutzdienstes fordert, daß der SchH bei der Ausübung "in der Hand des
Führers" zu stehen hat, also über exzellenten Grundgehorsam und
jederzeitige Abrufbarkeit verfügen soll. (!! ich sage "soll!" - und
habe gerade in diesem Punkt so meine Zweifel...) Gerade und ausgerechnet die
aggressionsbestimmten o.a. Triebkreise machen den Hund nämlich nicht nur
äußerlich weitgehend schmerzunempfindlich, sondern lassen ihn gleichzeitig auch
"aus seinem Inneren gesteuert" agieren, das ist ja in der Natur der
Triebe so angelegt und gewollt.
Als
solchermaßen reaktives Wesen kann ein Hund schwerlich, wenn überhaupt noch auf
äußere Befehle "gehorchen". - Ich kenne unsere Hunde gut, wie ich
meine und habe noch nie Schutzdienst mit Ihnen "geübt" - , ich habe
sie aber, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, bereits nahe am oder
bereits in Kampftrieb (Rangordnungskampf unter Hündinnen) erlebt und weiß von
daher: Hier helfen keine Kommandos mehr (!!), hier spricht dann ganz eindeutig
das Raubtier, der Wolf im Hund. Unterordnung unter Menschen (und sei sie noch
so abgesichert) heißt nicht auch gleichzeitig triebliche Unterwerfung! Nur - ,
wer ständig bis "nahe an die Grenze geht", muss sich über eine
latente Gefahr nicht wundern (z.B. durch die angesprochenen
Verwechslungsmöglichkeiten).
Nur
soviel noch dazu:
5.) Empfehle ich allen Schutzhunde"führern" und - Haltern eindringlich,
sich gerade im Blick auf den offenbar an jeder Ecke erwarteten
"Ernstfall", mit der geltenden Rechtslage auseinander zu setzen.
Insbesondere das Notstands - sowie das Notwehrrecht kommen hier in Betracht.
Beide Rechtsnormen sind (übrigens auch unter Juristen) längst nicht so
eindeutig, wie man sich das gemeinhin vorzustellen pflegt. Ich warne deshalb
eindringlich vor der Vorstellung, mit der Schutzhundplakette werde dem Halter
quasi im Gleichschritt der erste Stern auf der "virtuellen Polizeiuniform"
verliehen. Umgekehrt wird eher ein Schuh draus, je höher der
"Plakettengrad" des Hundes, desto m e h r Verantwortung wird und muss
vom Hundehalter gefordert werden.
6.)
Was passiert eigentlich mit den "Untauglichen" (-ich meine Hunde-), den "Durchgefallenen", den "wenig
Triebstarken" und schließlich den nach und nach
"Hüftkrank-Gewordenen" oder den "Alten" ?
Ich
will es Ihnen sagen: Bis auf die alten kampferprobten "Veteranen"
wird ein Großteil der Hunde verkauft - an Leute "Wie Du und Ich".
Wohlgemerkt, das können Hunde sein, bei denen lange, lange offenbar
"erfolglos" versucht wurde, mit allen möglichen "Tricks"
Schärfe und Trieb zu wecken; es können aber auch besonders triebstarke Tiere
sein, die während der Unterordnungsphase derart "geknickt" wurden,
daß sie zu unkontrollierbaren Angstbeißern "mutiert" sind, die man
natürlich auch nicht "durch eine Prüfung bringt".
Es
lauert hier also für den Laien ein nur schwer durchschaubares Potential an
Unwägbarkeiten, ja an Unberechenbarkeit. Deshalb kann ich jedem
Schäferhundinteressenten nur raten, beim Erwerb eines älteren Hundes aus
traditioneller, schutzhundbasierter Zucht, einen wirklich Kundigen unabhängigen
Spezialisten zur Beratung hinzuzuziehen oder lieber auf den Hund zu verzichten.
Der vorherige Gang zu einer vertrauenswürdigen Hundeschule oder einem
Hundepsychologen kann hier vor vielem bewahren.
Fazit Die Ausbildung zum
Schutzhund für Hunde in Privathand ist in der heutigen Zeit sinnlos und birgt
eine Reihe von Unwägbarkeiten, derer sich insbesondere die "Schwarzen
Schafe" der Zunft nur zu leicht bedienen können.
Das direkte Herangehen
"an den Mann" (auch das beuteorientierte) ist unzeitgemäß,
widerspricht den Forderungen der Unterordnung (Stichwort: Alphastellung),
untergräbt die zum Menschen unbedingt einzuhaltende Individualdistanz
willkürlich, erzieht den Hund zu "unsozialem" Handeln Menschen
gegenüber, birgt also eine Reihe von inhärenten Unsicherheiten.
Der größte
Unsicherheitsfaktor hängt meines Erachtens aber wie fast immer, wenn's um Hunde
geht, am hinteren Ende der Leine - der Mensch oder wie man so schön sagt, der
Mensch als "Hundeführer". Da kann mir ein Verein noch so viel von
"im Gehorsam stehenden Hunden" erzählen, wer prüft eigentlich die
Leinenhalter auf "Zuverlässigkeit", "Ehrlichkeit",
"Charakterliche Eignung", "Sachkunde",
"Tierfreundlichkeit"(Stichwort: TELETAKT) ...usw.?
Solange das nicht
geklärt ist, bleiben bei mir Zweifel an der Rechtmäßigkeit und dem Sinn des
ganzen Unterfangens - und wenn's den Hunden noch soviel Spaß macht !
Im Waffenrecht gibt es
den schönen Begriff des "Bedürfnisses"; nur wenn dieses unter
bestimmten strengen Voraussetzungen bejaht werden kann, ist der Besitz von
Waffen zulässig und genehmigungsfähig. Welches Bedürfnis hat die heutige Gesellschaft,
hat der heutige Privatmann (noch) nach einem ausgebildeten Schutzhund ?
Liegen unsere
Bedürfnisse nach Hunden nicht vielmehr auf gänzlich anderen Gebieten ? Der
alltagstaugliche Begleithund wurde bereits positiv angesprochen; benötigen wir
nicht heute viel mehr Rettungshunde, Behindertenbegleit - und Servicehunde,
Therapiehunde, von mir aus auch Spür und Fährtenhunde, als ausgerechnet
Schutzhunde ? Diese Frage muss erlaubt sein. Und ...by the way...: Hier wäre
der Ort und die Gelegenheit, das immer noch zwiespältige Image des DEUTSCHEN
SCHÄFERHUNDES entschieden aufzupolieren.
Ich gebe die Hoffnung
nicht auf, daß dies endlich auch in der Schäferhund -Chefetage Gehör findet,
ein erster kleiner Schritt wurde getan, andere müssen folgen.
Nachtrag Um zu erwartende Kritik
hier gleich abzufangen:
Ich bestreite nicht den
Sinn von SCHUTZHUNDEN insgesamt, sondern den von Hunden in Privathand!
Diensthunde als Helfer
entsprechender staatlicher Institutionen muss und wird es hoffentlich immer
geben! Sie werden jedoch nach anderen Richtlinien ausgebildet, geführt und
gehalten als Privathunde.
Die verfehlte und nicht
am Rassegründer (und seinen vielfältigen literarischen Werken ) ausgerichtete
Zuchtpolitik vieler Züchter hat allein dazu geführt, daß der Deutsche
Schäferhund sich vor allem aufgrund seiner zeitweise sehr labilen
Gesundheitslage auf diesem, seinem alten Spezialgebiet "auf dem
absteigenden Ast" befindet. Die westeuropäischen Polizeien und Militärs,
ebenso die Schweiz, setzen hier vermehrt auf die Belgischen Hunde, vor allem
den Malinois.
Ein Aspekt fehlt der
ganzen Betrachtung noch - der der Gleichberechtigung .....mmmh ...?
huetefuchs meint:
Das was für den Deutschen Schäferhund und seine tragende Organisation gilt,
muss auch für alle anderen Organisationen gelten .... also auch für die
sogenannten "Kampfhunde" !
Welcher Aufschrei ginge
wohl durch den deutschen Mediendschungel, wenn sich morgen eine ,sagen wir
Hamburger "Ortsgruppe" des (virtuellen) "Vereins für deutsche
Pitbulls" gründen würde und munter in die Schutzhundarbeit einstiege ..?
("Ist doch ein Spiel!")
Dieses erfundene
Beispiel zeigt (abgesehen von der Hundeproblematik) , auf wie dünnem Eis man
sich eigentlich bewegt.
Ich fürchte, die
Schäferhundehalter werden sich bei einer genaueren Revision der bundesdeutschen
"Beißstatistik" in der Zukunft noch manches mal wundern; und ich
fürchte nichts mehr als den Tag, an dem ein ausgebildeter
"Privat-Schäfer-Schutzhund" über ein Kind herfällt.....nur weil er vielleicht
die Situation "verwechselte" und "nur spielen" wollte, denn
genau an diesem Tage werde auch ICH Opfer der heute völlig überflüssigen
Schutzhundausbildung für Privathunde !
Foto:
Norbert Pfannmöller
Im Vorangegangenen habe
ich versucht, die Unwägbarkeiten und Gefahren im Zusammenhang mit der
traditionellen Schutzhundausbildung aufzuzeigen. Auf der Negativseite bin ich
kurz auch auf die damit für den Hund verbundenen Gefahren eingegangen.
Hier zusammengefasst noch einmal meine
Auffassung :
Die Ausbildung zum
Schutzhund, wie sie nahezu allerorten in den Vereinen betrieben wird, ist
geeignet, den Haltern und Führern solcher Hunde eine falsche Sicherheit
vorzugaukeln! Ein Hund, der auf "seinen Schutzarm" geradezu fixiert
ist, gefährdet sich selbst in höchstem Maß, sollte es wirklich einmal zu einem
"Ernstfall" kommen. (Anmerkung : Wer hier jetzt als SchH - Halter
lautstark protestiert ...nach dem Motto : "Da solltest Du aber meinen erst
mal sehen !" - hat die "reine Lehre" des Schutzdienstes bereits
verlassen und die Grenze der Legalität überschritten !)
Die in der Übungsphase
zu den Prüfungen ständige "direkte Konfrontation" mit dem "bösen
Mann" prägt sich nicht nur im Hundehirn ein, sondern lässt auch die
Leinenhalter nicht gänzlich unbeeinflusst. Wer es als solcher "gewohnt
ist", daß sein Hund eigentlich immer am Ende die Beute macht, kann
eigentlich im Ernstfall nur genauso denken - wenn er überhaupt noch etwas
denken kann. Automatisiertes Handeln nennt man so etwas.
Sie glauben, ...Ernstfall
...Sicherheit ...Legalität ... was soll das Geschwafel hier?? -
Am oben genannten Datum
wurde ich nahezu schlagartig in diesen Ernstfall "katapultiert". Ich
wurde von einem total "ausgerasteten" Bauarbeiter auf eigenem
Grundstück aus nichtigem Grund mit einem Vorschlaghammer massiv angegriffen.
Ich verzichte hier auf Einzelheiten; jeder Halter eines ausgebildeten
Schutzhundes - ich betone : Jeder (!) - hätte aufgrund der Massivität des
Angriffs hier seinen Hund eingesetzt, um die Aggression zu stoppen.....und ...
hätte ihn mit einhundertprozentiger Sicherheit für immer verloren! Meine
eigenen Hunde befanden sich zum großen Glück im Haus!
Wenn Sie wissen wollen,
welche Ratschläge ich Ihnen nach der Konfrontation mit dem "wirklich bösen
Mann" geben kann, sage ich Ihnen Folgendes:
Mit Hund lösen Sie das
Problem mit Sicherheit nicht - ganz im Gegenteil, Sie schaffen sich und dem
Täter zusätzliche Aufregung, schüren die Aggression, wo eigentlich
"calming signals" (also "beruhigende, beschwichtigende
Signale") am Platze wären. Ich gebe allerdings zu, daß mir mit Hund an der
Seite durchaus "wohler gewesen" wäre. Nur, der hätte sich aber ganz,
ganz anders verhalten müssen, wie von der SchH - Ausbildung her gewohnt, und zwar
genauso, wie ich es weiter oben noch während meiner "Theoriephase"
beschrieben habe!
Der ideale Schutzhund ist nahe bei mir (und genau da bleibt er auch) - und zwar dichtestmöglich(!) -
er bildet praktisch den lebendigen "Zaun", durch den ein Angreifer
erst 'mal durch muss, sollte er mir körperlich zu nahe kommen. Er bellt nicht
und greift nicht in das Geschehen ein - er ist einfach nur da (!!) - (In der
Marinesprache nannte man das früher "fleet in being" (In naval
warfare, a fleet in being is a naval force that extends a controlling influence
without ever leaving port.) )
Ein ganz anderes
Konzept der Ausbildung wäre für einen solchen "echten" Schutzhund
nötig. Die Gefahr liegt jedoch in der relativen Nähe zu den Defensivstrukturen
des Wehrtriebes, das sollte man nicht übersehen.
Der Hund muss mir(!)
die Möglichkeit zur ruhiger, überlegter Defensive geben, indem er auch mit mir
zurückweicht - allein die Tatsache, daß er da ist, genügt vollkommen, denn
meine wichtigste "Waffe" muss das Wort bleiben. Wie mächtig diese
ist, konnte ich nun selbst "erfahren"; der Hammer wurde freiwillig
niedergelegt!
(Anmerkung : Der
Vorfall kann von zwei Zeugen bestätigt werden !)
Verstehen Sie, was ich
sagen will: das oftmalige, mechanisierte "trainieren" des noch so
spielerischen "Ernstfalles" mit den Hunden lässt auch uns Menschen
nicht unbeeinflusst: Allzu oft überschätzen wir das eigene Angriffspotential und
unterschätzen eigentlich generell die Möglichkeiten der Defensive.
Auch wir unterliegen
eben in gewissem Maße unseren Trieben - auch dem "Wehrtrieb", dem nur
das Großhirn der Primatenspezies Mensch Kontrolle entgegensetzen kann.
Text und alle nicht
extra gekennzeichneten Bilder: Dietmar Metz
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